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Energiewirtschaft hautnah erlebt – Plant-for-the-Planet im Walchensee Kraftwerk

Der Tag des offenen Denkmals bietet in Deutschland ganz tolle Möglichkeiten hinter die Kulissen von Bauwerken zu blicken, die normal verschlossen bleiben. Wir nutzten das offene Walchensee Kraftwerk und das einmalige Wasserschloss zu einer Führung durch die Energiewirtschaft für die Freunde von Plant-for-the-Planet (www.plant-for-the-planet.org) aus Tutzing. Fritjof Finkbeiner führt heute wieder eine Besuchergruppe mit vielen jungen Menschen an und zeigt Nachhaltigkeit und langfristige politische Entscheidungen an einem handfesten Beispiel auf.

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Das Walchensee Kraftwerk lieferte 1924 den ersten Strom ins öffentliche Netz und ist seit dieser Zeit eines der größten Hochdruckspeicherkraftwerke in Deutschland und gleichzeitig eines der ältesten Wasserkraftwerke in Bayern. Die Pioniertat eines Oskar von Millers war wegbereitend für die bayerische Energiewirtschaft. Parallel zum Bau des Walchensee Kraftwerks wurde auch der Aufbau des landesweiten Stromnetzes vorangetrieben, um die Verbraucher untereinander mit den Erzeugern zu vernetzen und damit zu entkoppeln.

Heute ist das Stromnetz die Grundlage für den Aufbau der regenerativen Energiequellen, wie Photovoltaik und Windkraft. Die Grundlage wurde 1918 mit der Genehmigung dieses größten Kraftwerksprojektes in Bayern gelegt.

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Das Walchenseekraftwerk nutzt den natürlichen Höhenunterschied zwischen dem höher gelegenen Walchensee und dem 200 m tiefer gelegenen Kochelsee aus und hat eine installierte Leistung von 125 MW.

 

Ruhe und Stille am Kochelsee – 09.00 Uhr morgens

Im Land der blauen Reiter, einer Künstlervereinigung um Wassili Kandinsky und Franz Marc, verwundert es nicht, wenn es hier besonders schön und idyllisch ist. Bevor die vielen Besucher das Walchensee Kraftwerk stürmen ist der Kochelsee noch ganz ruhig und still. Man glaubt nicht, dass nur 100 m entfernt seit nun fast 100 Jahren eines der größten Kraftwerksprojekte seiner Zeit in Bayern steht.

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Der Kochelsee dienst als Ausfluss Becken und führt das Wasser aus dem Walchensee über die Loisach wieder zur Isar ab. Die Stromleitungen über den schönen Felsensteig am Westufer des Sees führen uns direkt zum Walchensee Kraftwerk. Schon von Weitem sieht man die Rohrbahnen und das mächtige Wasserschloss, 200 m über dem Kraftwerk.

 

Mächtige Rohrbahnen führen 200m in die Tiefe

Die 6 Rohre sind 400 m lang und führen das Wasser mit anfänglich maximal 8 km/h 200 m in die Tiefe vom Walchensee zum tiefer gelegenen zum Kraftwerk und dann in den Kochelsee.

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Die Rohrleitungen sind noch original aus der Erbauung und halten dem statischen und dynamischen Druck von 20 bar stand. Die zwei vorderen Rohre dienen der Erzeugung von Bahnstrom (15 kV, 16 2/3 Hz), die vier hinteren Rohre erzeugen Drehstrom für das öffentliche Netz (110 kV, 50 Hz).

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Kraftwerkssystem Walchensee mit allen wesentlichen Zuflüssen an der Wand der Turbinenhalle.

 

 

Das Wasserschloss ist nur zum Tag des offenen Denkmals zugänglich

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Mit der Seilbahn werden die Besucher bequem die 200 m zum Wasserschloss gefahren und von der Plattform hat man einen herrlichen Ausblick auf den Kochelsee und das Alpenvorland.

Das Wasserschloss ist ein Ausgleichsbehälter mit einem großen Fassungsvermögen und ist die Verbindung zwischen dem 1,2 km langen Stollen vom Walchensee herkommend und den Rohrleitungen, die 200 m in die Tiefe führen.

Über dem Eingang zum Wasserschloss wacht der symbolisierte Waller, eine Sagengestalt die im tiefsten See Bayerns haust und das Land fürchterlich verwüstet, wenn er in seiner Ruhe gestört würde.

Die Leitwarte im Kraftwerk ist inzwischen unbesetzt und fernüberwacht aus Landshut

Das Herz eines Kraftwerkes ist (war) die Kraftwerkswarte. Hier laufen alle Messwerte und Steuersignale auf und die Betriebsmannschaft führt(e) und steuert(e) von hier aus das Kraftwerk und alle wassertechnischen Anlagen in einer Ausdehnung von fast 60 km Luftlinie .

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Der Pressesprecher der UNI PER – Theodorus Reumschüssel (links im Bild) hat uns ganz herzlich auf der Anlage begrüßt und uns in ganz liebenswerter Weise eine persönliche Führung durch die Warte ermöglicht. Manchmal ist es doch Vorteilhaft, wenn man selbst Mitarbeiter des Unternehmens war und so gegenseitig sich kollegial unterstützen kann.

Die vielen Jungen Menschen unserer Besuchergruppe waren von der Technik, die inzwischen fast 100 Jahre alt ist, sichtlich begeistert. Energiewirtschaft stellt man sich als junger Mensch ganz anders vor, eher theoretisch und politisch. Dass Energiewirtschaft auch ganz handfest erfahren werden kann ist für die Organisation Plant-for-the-Planet sicher sehr wertvoll.

"Da arbeiten auch täglich viele Menschen, die alles dafür tun, 
dass diese Großanlagen täglich sicher für Mensch und Umwelt 
und auch wirtschaftlich betrieben werden können."
(Theodorus Reumschüssel)

Letztes Jahr war die Warte noch besetzt, inzwischen wird alles Fernüberwacht und -gesteuert aus der Zentrale in Landshut.

 

All diese Technik dient nur dafür, dass die Turbinen genügend Energie für die Generatoren umsetzen

Das Walchensee Kraftwerk ist kein Technikmuseum, sondern eine Produktionsstätte von Elektrischer Energie (Strom) für die Bahn und für das öffentliche Netz.

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Am Ende des wassertechnischen Teils wird das Wasser mit hohem Druck (statisch 20 bar) und hoher Geschwindigkeit in die Turbinen (Franzis Turbinen für Drehstrom und Pelton Turbinen für Bahnstrom) geführt, um die Bewegungsenergie und den statischen Wasserdruck in elektrische Energie in den Großgeneratoren umzuwandeln.

Links ist der wassertechnische Teil mit den Turbinen (vorne die Franzis Turbinen und hinter die Pelton Turbinen) – die Kupplung ist die Schnittstelle und rechts die Großgeneratoren für 50 Hz und 16 2/3 Hz.