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Des wuide Treib’n der Wolferer, da Hex’n und am bluadigen Thamerl in der Waldkirchener Rauhnacht

So manches Brauchtum und Tradition hat sich im kalten und weit entfernten Bayerischen Wald länger gehalten wie in anderen Teilen von Bayern. Dort wo die Winter früher noch lang und streng waren und die Menschen mit der kalten und lebensfeindlichen Jahreszeit wenig romantisches oder gar Ski-Halli-Galli verbinden konnten sind so Sagen und Erzählungen am wärmenden Holzfeuer von den Omas zu ihren Enkeln weiter gegeben worden und haben sich so oft bis heute als Brauchtum erhalten können.

Waldkirchen im Bayerischen Wald war früher Säumerstation auf dem Weg von Passau ins nahe Böhmische hinter der Grenze. Hier hat sich bis heute das größte Rauhnachtsspektakel in der Region erhalten können.

Ganz furchterbar kann’s eim werd’n bei so vui Grimassen, Hex’n und Wolferer in Waldkirchen.

Die bösen Geister ziehen gerade während den dunklen Tagen und Nächten übers Land und wirken mit ihrer unheimlichen Macht.

  • Böses überzieht das Land
  • Unglück und Unheil für Mensch und Tier
  • Unglücke auf’m Feld und im Haus
  • Krankheit bei Mensch und beim Tier
  • Not über’m Land
  • Mißerfolg und schlechte Ernten
  • Unbilden der Witterung und Naturkatastrophen

Was kann man gegen die Gefahren des Bösen denn nur Unternehmen – die Wolferer wissen einen guten Rat.

 

Waldkirchner Perchten, Hex’n, Wolferer und ein ohrenbetäubender Lärm – alles wegen den bösen Geistern

Das „Woidler“ ist eigentlich ein eher gemütlicher Menschenschlag, alles hektische und schrille ist ihm eigentlich fremd. Er red auch ned voi – und wenn, dann sieht man es ihm immer rechtzeitig vorher schon an. Das aus einem guten Grund. All die Energie muss da Woidler sich aufsparen und die ganze Energie in die Rauhnächte legen, um alles Böse und die Geister aus dem Woid wieder zu vertreiben.

Da muaß alles ’naus was sich das ganze Jahr über aufgespart hat, es treffen sich die Hexen, Druden, wilden Gestalten und bringen schauriges Leben nach Waldkirchen.

 

In den Rauhnächten zieht das Unheil mit dem Bösen über’s Land

Die Überlieferungen haben es bewiesen. An einigen Tagen im Jahr können die Dämonen und die Hex#n ganz besonders gefährlich werden. In den Rauhnächten muss man sich ganz besonders in Acht nehmen.

  • Thomastag (21. Dezember), Gedenktag des Apostels Thomas, einem der zwölf Jünger Jesu. Der Thomastag ist die längste Nacht im Jahreskreis.
  • Andreastag (30. November), die Andreasnacht ist die Nacht zum 30. November (Andreastag), dem Todestag des hl. Andreas.
  • Weihnachten (24. Dezember und 25. Dezember),
  • Neujahr (31. Dezember und 1. Januar),
  • Dreikönig (6. Januar) und
  • Lichtmess (2. Februar) ist ein wichtiger Festtag und der letzte im Weihnachtszyklus – 40 Tage nach dem ersten Weihnachtstag. An Lichtmess begann das bäuerliche Wirtschaftsjahr und den Dienstboten wurde der Jahreslohn ausgezahlt.

An diesen Rauhnächten gilt es alle Kraft zusamemn zu nehmen und gemeinsam gegen das Böse und das Unheil anzustehen und der wilden Jagd ein Ende zu setzen. Die Rauhnächte sind Zeit der Wiederkehr der verstorbenen Seelen, die als „Wilde Jagd“ über das rauhe Land brausen. Im Gefolge der verstorbenen Seelen kommen Hexen, Druden, Tod und der Teufel selbst und suchen sich die Opfer unter der Bevölkerung und den Tieren.

 

A dreiviertel Jahr Winter,
und a viertel Jahr koid.

Des is 's Weder 
im Bayerischen Woid.

 

… und wieder ham ses g’schafft, das Böse für ein weiteres Jahr zu vertreib’n

Gegen das Böse kann niemand alleine anstehen. Nur gemeinsam wird des was. Alle hab’n wieder zam g’holfen um mit viel Lärm und Getöse die unsteten Seelen, die Hex’n und an Teufel wieder vertrieben.

  • Die Wolferer mit dem angsteinflössendem Lärm mit den übergroßen Kuhglocken lässt keine böse Seele in Ruhe ihr Unheil machen …
  • Die Goaßl Schnalzer machen mit der Goaßl einen Lärm am oberen und unteren Marktplatz, so dass sich der Teufel auch nicht mal für eine Minut‘ ausruhen könnt und immer weiter ziehen muaß …
  • Die Böllerschützen schießen die Hex’n und alles Böse noch im Fluge ein freundliches Groß Gott hinterher.

So endet das Spektaktel nach zwoa Stund‘ und die erschöpften Besucher strömen zum Standl mit die Rauhnachts-Rohrnudl und alle sind wieder froh, das der Spuk ein weiteres Jahr gut ausging.