100 Jahre Walchensee Kraftwerk – Perle beim Tag des offenen Denkmals in Altjoch

Oskar von Miller hat’s gemacht. Im Dezember 1918 begannen die Bauarbeiten in Altjoch mit der Errichtung des damals größten Wasserkraftwerkes in Bayern, in Deutschland und in der Welt. Oskar von Miller ist vielen als Vater des Deutschen Museum in München bekannt. Er war einer Pioniere der Elektrifizierung in Bayern und der Ingenieur der die Aufgabe bekam das Walchensee Kraftwerk und die Landeselektrizitätsnetze aufzubauen. Beides war später bekannt durch die BAYERNWERK AG in München.

Früh Morgens hinaus auf das Wasserschloss – 200 m über dem Walchensee Kraftwerk – man genießt das frühe Licht, die Ruhe und den ganz tollen Ausblick über den Kochelsee bis hinaus zum Starnbergersee im Norden. Das begeistert die ganze Familie. Das Wasserschloss kann man nur an diesem einen Tag im Jahr zum Tag des offenen Denkmals besichtigen.

Das Walchensee Kraftwerk ist ein Juwel der Technikgeschichte im geschichtsträchtigen Bayern und ein Besuchermagnet für Jung und Alt. Papa zeigt gerne den Kindern die Technik der frühen Pioniere und bei so manchem Filius wurde der Keim für eine spätere Ausbildung zum Techniker und Ingenieur gelegt.

 

200 Meter Gefälle vom Walchensee zum Kochelsee war der Ausgangspunkt

8 Turbinen stehen nach 100 Jahren immer noch in reih und Glied und liefern zuverlässig elektrischen Strom für die Verbraucher in Bayern und für die Deutsche Bahn. Vor 100 Jahren begannen im Dezember 1918 die lange geplanten Bauarbeiten an diesem abgelegenen Ort an den bayerischen Alpen. Wieder ein Grund mehr sich bei dem jährlich stattfindenden Tag des offenen Denkmals über dieses Denkmal der bayerischen Energiegeschichte ausführlich zu widmen. 

 

 

Bayern war kohlearm und kohlefern. Der Transport der Steinkohle vom Ruhrgebiet nach Bayern war teuer und bindet wertvolle Infrastruktur und Kapazitäten. So konnte man kaum wettbewerbsfähig im Deutschen Reich produzieren. Auch die Eisenbahn in Bayern war teuer.

Jeder dritte Zug in Bayern transportierte die Kohle für die Lokomotiven.

Zu dieser zeit gab es noch kein öffentliches Stromnetz. Viele kleine Inselnetze, meist nur wenige Verbraucher rund um einen kleinen Generator. elektrischer Strom war selten – sollte aber der Motor einer Entwicklung nach dem Ende des ersten Weltkrieges werden.

Alles war neu und unbekannt. Der Ingenieur Oskar von Miller entwarf die Ideen und die Pläne, um das Gefälle zwischen Walchensee und Kochelsee in elektrische Energie umwandeln zu können. 1924 war der Bau fertig und der erste Strom wurde in das öffentliche netz eingespeist.

 

Die Kohle fehlte, aber Bayern hatte das blaue Gold – Wasser und die Berge.

Was soll man jemals mit der ungeheuren Energiemenge des Walchensee Kraftwerkes anstellen?
Genehmigung des Projektes im Ministerrat in Bayern 1918

Die Elektrifizierung war erst im Aufbau. Kriegsende, Währungskriese, Revolution – gerade deswegen hielt Bayern an dem Projekt fest und schaffte Arbeit für die hungernde Bevölkerung. Seit 1924 liefert das Walchensee Kraftwerk zuverlässig Strom für das Drehstromnetz mit 50 Hz und den Bahnstrom mit 16 2/3 Hz.

„als eine Ehrensache des bayerischen Volkes“
(1914 über das Projekt Walchenseewerk)

 

Tag des offenen Denkmals in Deutschland – Besuch im Wasserschloss – 200 m über dem See

Zu meiner Zeit in der BAYERNWERK AG, war das Wasserschloss nur wenigen Mitarbeitern und dem Ministerpräsidenten bei feierlichen Anlässen vorgehalten. Seit vielen Jahren ist das Wasserschloss nun die Attraktion beim Tag des offenen Denkmals im Land des Blauen Reiters. Vor wenigen Jahren hatte ich mich eher durch Zufall daran erinnert und versuchte mein Glück einfach.

Das Wasserschloss war damals ein unbeschreibliches Erlebnis und nun jedes Jahr wieder. Nach nun 100 Jahren Baubeginn ist das Kraftwerk wunderschön mit der Landschaft verwachsen, auch im übertragenen Sinn. In den letzten Jahren führte ich auch Besuchergruppen über die Anlage und gerade für die Kinder war dies eine nicht bekannte Dimension der Energiewirtschaft. Um solch ein Kraftwerk als ganzes System errichten zu können waren Eingriffe in die Natur notwendig, aber auch viel Ingenieurwissen damit all diese Geräte so zusammenwirken wie es geplant war – und das über 100 Jahre.

Heute gehört die Kraftwerksanlage zu dem Unternehmen UNIPER. Errichtet wurde die Anlage von der Walchenseewerk AKTIENGESELLSCHAFT. Diese wurde später in die BAYERNWERK AKTIENGESELLSCHAFT (BAG) übernommen und bis Ende des letzten Jahrtausends auch über mehr als 75 Jahre betrieben. Mit der Fusion der BAYERNWERK AG in die E.ON kam das Walchensee Kraftwerk zur E.ON Wasserkraft GmbH.

Vor wenigen Jahren wurde die E.ON aufgespalten und die Kraftwerksbetriebe in eine eigene Gesellschaft UNIPER Kraftwerke GmbH ausgelagert.

 

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Die Ingenieurskunst Oskar-von-Millers lebt bis heute fort

Das Kraftwerk, das Landeselektrizitätsnetz, die Mittlere Isar und viele andere Ingenieurbauten erforderten eine neue technisch-wissenschaftliche Ausbildung in der akademischen Ausbildung und das in großer und qualitätsmäßiger Ausstattung, um den Aufbruch in ein modernes Zeitalter in Bayern gestalten zu können.

Zeitgleich mit der Inbetriebnahme des Walchensee Kraftwerkes und des Netzbetriebes in der BAYERNWERK AG wurden sehr viele Ingenieure in den staatlichen Unternehmen und in der Industrie benötigt. Es entstand in München 1924 die

Höhere Technische Lehranstalt der Stadt München.

Diese Lehranstalt wurde nach DEM Ingenieur dieser Zeitepoche benannt und als

Oskar-von-Miller Polytechnikum
Akademie für angewandte Technik

weit über Bayerns Grenzen hinaus bekannt. Das Polytechnikum bestand bis 1971 und wurde zusammen mit anderen Lehranstalten in die neue Fachhochschule München zusammengeführt. Ein Großteil unserer Lehrmittel an der FH München, Fachbereich Maschinenbau waren noch beschriftet mit

Oskar-von-Miller Polytechnikum, München.