Heidelandschaft, Natur und Flugplatzgeschichte des früheren Fliegerhorstes Schleißheim

Neue Thematik der Flugplatzwanderungen auf die Garchinger Heide

Wir setzen zusammen mit der lokalen Agenda21 Oberschleißheim – NATUR die Reihe der in 2019 neu eingeführten naturkundlichen Flugplatzwanderungen fort. Der Fliegerhorst Schleißheim umfasste 1944-1945 nicht das Geländes des bekannten Flugplatzes Schleißheim südlicher der Schlösser Schleißheims. Eine abgesetzte Betriebsfläche war auch die Garchinger Heide. Zusammen mit Arnold Tallavania (lokale Agenda21 NATUR) führen wir die Teilnehmer durch 2 kurzweilige Stunden anschauliche Natur- und Heimatkunde direkt vor unserer Haustüre.

Grund genug heute mit einer Gruppe Interessierter nachzuschauen,
was die Natur & Flugplatz im Jahr 2019 für Spuren der Vergangenheit 
und der Naturlandschaft zeigen.
Paul Eschbach

Die Kernfläche auf der Garchinger Heide ist das sog. Rollfeld aus 1945. Obwohl seit 1890 im Privatbesitz der Bayerischen Botanischen Gesellschaft e.V. wurde das Gelände 1942 unter Naturschutz gestellt und trotzdem für die letzten Kriegsanstrengungen genutzt.

Hier sollte eine Start- und Landebahn gebaut werden. Die Arbeiten waren in einem Teilbereich von 400m Länge schon fortgeschritten. Die dünne Humusschicht war in Handarbeit abgetragen und die Oberfläche für die Nutzung hergerichtet. Hier sollten speziell die ersten Strahljäger Me 262 Starten und Landen. Dafür war die Startbahn am Flugplatz Schleißheim viel zu kurz.

Unter den Teilnehmern der Flugplatzwanderung haben wir auch Piloten aus Schleißheim, daher macht die Kombination Natur & Flugplatz besonders Sinn.

Die Teilnehmer sind von der besonderen Vegetation, hier im Norden von München ganz besonders überrascht. Beim Vorbeifahren sieht es aus wie eine ganz normale Wiese. Das besondere sind vielleicht die Studentinnen und Studenten aus Weihenstephan und der TU München, die auf dem Boden umherkriechen und eine wahre Freude haben.

Fotos: Paul Eschbach und Andreas Pirchmoser (Foto Sessner GmbH Dachau)

 

Ein Querschnitt durch die oberbayerische Naturlandschaften

Die Garchinger Heide gewährt wieder einmal einen besonderen Blich gegen Süden auf die 70 km entfernte Alpenkette.

Viele der Pflanzenarten haben die Weg aus den Alpen, oder sogar aus dem Mittelmeerraum über die Alpen an den Nordrand der Münchener Schotterebene geschafft. Diese Gegend war für die Flora ein ganz besonderer Kreuzungspunkt und damit die Grundlage für die Ausbildung dieser in Deutschland einmaligen Biotopgemeinschaft. Pflanzen aus den Gebieten:

  • Alpen, also alpine Pflanzen
  • Mittelmeerraum, also mediterane Pflanzen
  • Schwarzmeergebiet, also pontische Pflanzen
  • Ungarische Steppen, also pannonische Pflanzen

haben hier den Weg zusammen gefunden und bereichern das ganzen Pflanzenjahr über die Bild auf der Garchinger Heide.

Man steigt niemals in den selben Fluß.
Genauso besucht man niemals
die selbe Garchinger Heide.
Arnold Tallavania und Paul Eschbach

Die Naturlandschaft Garchinger Heide zu beschreiben ist ohne einen thematischen Umgriff auf die hier im Norden von München vorherrschenden Naturlandschaften kaum möglich. Der Motor der vielfältigen Naturlandschaften ist die Münchener Schotterebene, die von Holzkirchen (südlich von München) beginnend eine Mächtigkeit von 100m nach Norden sanft abfällt. Holzkirchen liegt auf 691m ü.N.N., die Garchinger Heide als der nördlichste Ausläufer auf 490m ü.N.N.. Die Landschaft fällt um ca. 200m ab, die Mächtigkeit der Schotterebene beträgt hier nur noch ca. 5m.

Nördlich schließen sich die Lohwälder und großflächig das Dachauer Moos, ein Niedermoor, an. Das Grundwasser wird immer oberflächennäher und tritt als feuchte, sumpfige Niedermoore an die Oberfläche. Daran schließen sich die Auwälder der großen bayerischen Flüsse, wie Amper, Würm und Isar an. Die Amper fließt am nördlichsten Rand dieser Landschaft entlang und entwässert Oberbayern großräumig am Übergang zum tertiären Hügelland. Der nördlichste Rand bedeutet auch die tiefste Lage in der Landschaft. Die Amper führt die Oberflächenwasser nach Osten in die Isar und weiter in die Donau. Dorthin, wo viele der Pflanzen ihren Ursprung haben.

 

Alles begann von ca. 2,5 Mio Jahren mit der ersten Eiszeit in Oberbayern

Die Entwicklungsgeschichte der 27 ha Fläche der Garchinger Heide lässt sich nur erläutern mit dem Verständnis der Eiszeiten in Bayern, die vor 2,5 Mio Jahren begonnen haben und vor ca. 10.000 Jahren (Würm-Eiszeit) endeten. Eine spannende Reise durch die Jahrtausende und deren Auswirkungen auf die Flora und Fauna in Oberbayern.

Umso erfreulicher, als dass dieses Juwel in der Natur direkt vor unserer Haustüre alle Wirren und Veränderungen so gut überstanden hat und vor allem Dank der Bayerischen Botanischen Gesellschaft für den Weitblick, vor über 100 Jahren privates Geld in den Ankauf und damit den Schutz von Naturlandschaft zu investieren.

 

Naturbegeisterte und Luftfahrtinteressierte fanden sich zu dieser neuen Flugplatzführung zusammen

Die Abgrabungen in der Garchinger Heide zeigen den Aufbau des Bodens

  • einer mageren, kargen und kleinwüchsigen Kalk-Magerrasen Gesellschaft
  • eine sehr dünne Humusauflage von 5 – 10 cm
  • einer bis zu 10m mächtigen Kiesschicht als Ausläufer der Münchener Schotterebene

Der Kalk-Magerrasen ist ein auf extrem trockene, heiße und nährstoffarme Vegetation als Pionierpflanzen spezialisiert. Die Pflanzen müssen überleben, dazu bestäubt werden. Die Blüte sind daher optimiert auf das zeitlich synchronisierte Auftreten der Bestäuber und dann verschwindet die Pflanze wieder von der auffälligen Oberfläche bis zum nächsten Jahr. Alles andere wäre nur Energieverschwendung und das kann sich eine Pionierpflanze nicht leisten.

Paul Eschbach und Arnold Tallavania erläutern den Aufbau und die Entwicklung des Kalk-Trockenrasens auf der Garchinger Heide.

 

Echinger Lohe – ein lichter Eschen-Hainbuchenwald fasziniert die Teilnehmer

Keine Wanderung ohne Höhepunkt am Schluß. Wir suchen den nördlich gelegenen Echinger Eichen-Lohwald auf. ein lichter und sehr schöner Laubmischwald, wie er so oft am Nordwand der Schotterebene vorkommt. Hier gelingt es den Laubbäumen schon Wasser aus dem Grundwasser durch die dünner werdende Kiesschcht zu erreichen und einen veritablen Laubmischwald zu bilden. Die Pflanzen auf der Heide hingegen, beziehen das Wasser nur aus den Niederschlägen und der Feuchtigkeit der Nacht (Tau).

Arnold Tallavania zeigt im Lohwald anhand der aufgelesenen Blätter die hier vorherrschenden Baumarten in diesem Eschen-Hainbuchen-Mischwald und alle vorkommenden sekundären Baumarten. Anschaulicher und naturnäher kann man da Verständnis von Natur kaum vermitteln.

Vielen Dank Arnold Tallavania für das anschauliche 
Vermitteln von botanischem Wissen.

Und so neigt sich aus ein Ausflug von 2 Stunden pünktlich dem Ende zu.

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