Naturschutz an einem sonnigen Herbsttag – selbst Hand anlagen

Was kann man an einem sonnigen Samstag Vormittag alles Schönes und Sinnvolles unternehmen?

Man könnte doch …?

Jaaah!

An diesem Samstag Vormittag praktizieren wir Naturschutz in Schleißheim

Eines Tages flatterte eine E-Mail Nachricht von der lokalen Agenda21 – NATUR auf meinem Rechner ein.

Samstag 10.00 Uh
Herbstmahd der Orchideenwiese am Kalterbach. 
Helfer gerne willkommen, für eine Brotzeit ist gesorgt!

 

Da mache ich auf jeden Fall einmal mit!

Einen Großteil der Frauschaft und Mannschaft kenne ich bereits als Teilnehmer auf den Naturkundlichen Flugplatz Wanderungen. Prächtig. Arnold Tallavania begrüßt mich gleich ganz überschwänglich, Hans Patsch und Brigit Annecke-Patsch sind auch schon fleißig am Arbeiten.

Arnold Tallavania (lokale AGENDA21 NATUR) beim selektiven Ausschneiden der Pflanzen im Randbereich der Streuwiese am Kalterbach. Das fachkundige Auge und die Erfahrung des Biologen sind hier gefragt.

Hallo Herr Eschbach!

 

Herbstmahd auf der Orchideenwiese – warum ist das notwendig?

Ich bin kein Biologe, aber soviel habe auch ich inzwischen gelernt. Die besonders seltenen und schützenswerten Arten in der Flora auf den Mooswiesen stehen in Konkurrenz zu den schnell wachsenden und oft standortfremden Arten. Gerade Neophyten (Neue Pflanzen) breiten sich sehr schnell und schnell wuchernd aus – den Kampf um Licht und Nährstoffe werden die angepassten, standortbezogenen Pflanzen sehr oft verlieren.

Dagegen hilft nur der jährliche oder zweijährliche Kahlschnitt. Neue Wachstumsbedingungen für alle Pflanzen und dabei haben die Standortangepassten sehr oft einen Vorteil und können sich so dauerhaft erhalten und bestehen.

Die Streuwiesen im Dachauer Moos sind hier typische Nutzungsarten der Grünflächen, dort wo Weideviehhaltung nicht möglich oder rentabel ist. Streuwiesen dienten in der Landwirtschaft der Herstellung von Einstreu für die Stallungen. Für die Futterherstellung war der Ertrag viel zu gering und der Schnitt zu mühsam. Typisch für die Nutzung dieser Streuwiesen war über Jahrhunderte, dass sie nur einmal jährlich im Herbst gemäht wurden – Herbstmahd.

Durch die Standortbedingungen, das Wasser und dem geringen Nährstoffangebot hat sich in Verbindung mit der Herbstmahd eine ganz spezielle Pflanzengesellschaft angesiedelt und bis heute erhalten.

 

BUND Naturschutz und lokale AGENDA21 – NATUR in Schleißheim helfen zusammen

Zusammen geht vieles viel leichter. Ein gutes Duzend fleißige Helferinnen und Helfer sind zusammen gekommen. Die meisten kennen sich aus, gehen wortlos zum schweren Werkzeug und schneiden mit dem Mähbalken oder der Motorsense das Gras und die Sträuchern kurz.

Das Ausrechen des Mäßgutes ist Handarbeit, und was für eine. Das Mähgut darf nicht liegen bleiben, so dass die Samen der Neophyten möglichst mit abtransportiert werden und die natürliche Sukzession erschwert wird.

Das Mähgut wird in einem Container gesammelt – dafür ist Hans Patsch anfangs zuständig – gerne übernehme ich diese kraftzehrende Aufgabe von ihm. Der Container ist am ende des Tages weitgehend voll Schnittgut.

 

Sich einfach nur zu helfen wissen!

Das Team um Brigit, Hans und Arnold machen das nicht das erste Mal, das sieht man. Mit wenig Kommandos ist die Arbeit verteilt und an allen Werkzeugen wird gearbeitet. Auch die Kleinsten machen fleißig mit und haben eine wichtige Aufgabe zu erfüllen.

Das gesammelte Mähgut wird ganz einfach und kräftesparend mit Hilfe einer festen Plane beladen und über die frisch geschnittene Wiese gezogen. Diese Aufgabe lassen sich die kleinsten nicht entgehen.

 

Herbst Mahd – denn sonst wäre das alle irgendwann nur noch Wald

Am Ende der biologischen Entwicklung in Mitteleuropa steht eigentlich immer der Wald. Tut man nichts, wandeln sich alle offenen Flächen über Jahrzehnte zum Wald. Dagegen kann man und sollte sehr oft etwas unternehmen. Der Wald steht im Vergleich zur offenen Landschaft mit einer deutlich geringeren Artenvielfalt der Biodiversität konträr gegenüber, viele Arten, gerade Insekten benötigen oft die niedrige halboffene Landschaft als Lebensraum. Tiefes, hohes Gestrüpp ist negativ für die Population der wertvollen, geschützten und gefährdeten Arten.

Im kommenden Frühling freuen wir uns schon auf das frische Grün, auf die vielen seltenen Pflanzen die nun auf der Streuwiese am Kalterbach im Dachauer Moos wieder wachsen können. Von der Naturfläche zur Kulturfläche – die Streuwiesen brauchen zum Erhalt den gezielten Eingriff des Menschen – besser des fachkundigen Naturschützers. Ohne die regelmäßige Mahd, jedes Jahr oder alle zwei Jahre verbuscht die Streuwiese immer mehr, erste Bäume siedeln sich an. Am Ende steht ein dichter Wald und die Kleinflora und Fauna am Boden hat kein Licht mehr und kaum noch Wasser – die Bäume nehmen sich was Sie bekommen können.

 

Nach 4 Stunden ist das Tagwerk  vollbracht

Brotzeit!

Alle Teilnehmer sitzen gemütlich auf der Streuwiese, eine große Decke ist der Tisch und es wird eine Brotzeit und Rotwein aufgetischt. Alle haben Hunger, speziell die Kleinen und die Arbeit des Tages wird nochmal Nachbesprochen und Pläne für das Frühjahr gemacht. Ein herrlicher Tag im Herbst, mit einem sinnvollen und nachhaltigen Tagwerk im Kreis von vielen netten Menschen ist im Dienste der Landschaft und der Natur eingebracht.

Beim nächsten Mal, liebend gerne wieder.

Einen ganz lieben Dank an das ganze Team und an dich liebe Brigit, lieber Hans, lieder Arnold, lieber Tino.