Baron von Gravenreuth und die bayerische Geschichte in der Zeit der Aufklärung und den napoleonischen Befreiungskriegen

Der wunderschöne Adventsmarkt im Schloss Affing, zwischen Augsburg und Aichach gelegen, ist immer eine kleine Reise wert. Heute bin ich aber nicht zum Adventsmarkt auf Schloss Affingeiherr gekommen. Das Jahr 2019 über war ich hier viele Male und durfte im Schloss und im Familienarchiv der gräflichen und freiherrlichen Familie von Gravenreuth die Artefakte aus 200 Jahren Familiengeschichte fotografieren. Zwei Buchprojekte standen in 2019 auf dem Plan – ein Buch ist nun fertig und im Handel rechtzeitig vor Weihnachten verfügbar.

Schloss Affing, Stammsitz der Familie von Gravenreuth ist mit einem herrlichem englischen Schlossgarten umgeben

Die Freiherren von Gravenreuth und das Königreich Bayern

Im ausgehenden bayerischen Kurfürstentum gelangte die freiherrliche Familie von Gravenreuth in den Wirren der französischen Revolution aus Frankreich an den Wittelsbacher Hof in der bayerischen Pfalz-Zweibrücken. Die drei Brüder Carl Ernst, Franz und Casimir dienten dem neuen Churfürsten Maximilian I Josef (später König Maximilian I) in höchsten und wichtigsten Ämtern. 1806 wurde unter wesentlicher Beteiligung von Carl Ernst Freiherr von Gravenreuth das Churfürstentum Bayern mit der Königswürde durch Napoleon I erhöht.

Freiherr Casimir von Gravenreuth entschied sich dann für eine militärische Laufbahn in der Bayerischen Armee und machte viele der Koalitionskriege und die Befreiungskriege mit und gegen Frankreich mit.

Neues Buch über die Tagesbucheintragungen des Grafen Casimir von Gravenreuth im Feldzug gegen Moskau 1812/1813

Wir kennen die Geschichte. Von den 34.000 bayerischen Soldaten kehrten nach 12 Monaten nur 4.000 Soldaten aus dem Felde wieder in die Heimat zurück. Die Eindrücke und Erlebnisse hielt Freiherr Casimir von Gravenreuth in einem Tagebuch fest. Er schildert eindrücklich die Wahrnehmung, das Leid und den Tod aus der Perspektive eines treuen Soldaten als Kommandant einer Artillerie Einheit in der Division von General von Deroy.

Autorin Suzane Freifrau von Seckendorff verfasst das neue Buch als Autorin

Das Tagebuch von Casimir von Gravenreuth ist eine äußerst wertvolle Schilderung der Ereignisse aus einer persönlichen Sicht. Viele der Quellen in der Armeeverwaltung sind im Zuge der Kämpfe und der chaotischen Rückzugs verloren gegangen.

Suzane Freifrau von Seckendorf nutzt als Autorin dabei viele Originaldokumente, die sich im Familienarchiv in Schloss Affing erhalten haben und macht so die Geschichte und die Menschen dahinter lebendig und begreifbar.

Herausgeber Marian Freiherr von Gravenreuth macht bayerische Geschichte lebendig

Die gräfliche Familie von Gravenreuth hat die Wissen der französischen Revolution überstanden und mit den drei Söhnen jeweils eine eigene Karriere im neuen Churfürstlichen und königlichen Bayern begonnen. Das wertvolle und reichhaltige Familienarchiv aus dieser Zeit hat auch den Brand des Schlosses im Jahre 1927 weitgehend überstanden, das Schloss wurde wieder nach Originalplänen aufgebaut.

Jetzt hat Baron Marian Freiherr von Gravenreuth das Verlangen, die Schnittmenge zwischen der Bayerischen Gesichte und der wichtigen Jahren in der Familie von Gravenreuth für viele anderen Menschen zugänglich zu machen und damit zu bewahren. Die Familie von Gravenreuth war in wichtigen Zeiten in Bayern an wichtigen Stellen im Einsatz, aber immer verbunden mit einer fast europäischen Lebenslinie:

  • fränkischer Abstammung
  • französischer Wohn- und Geburtsort
  • pfälzischer politischer Kariere
  • bayerischem Wirken
  • diplomatischen Diensten am Wiener Hof
  • Gesandte im französischen Generalstab bei Napoleon I
  • bayerische Soldaten in gemeinsamen Schlachten mit und gegen die Franzosen

Für die jungen Generationen ist das heute normal und selbstverständlich, ohne Pass in Europa kreuz und quer Reisen zu können. Erst die Geschichte mit vielen blutigen Kriegen lässt den Rahmen für das liberale Europa entstehen. Die Gravenreuths haben in Bayern einen wesentlichen Beitrag zum heutigen Bayern in einem geeinigten Europa geleistet.

v.l.n.r.: Suzana Freifrau von Seckendorff (Autorin), Paul Eschbach (Fotograf), Marian Freiherr von Gravenreuth (Herausgeber) Credit: unbekannt

Umso bedeutender war für mich die Gelegenheit am Rande des Affinger Adventsmarktes, im Schloss Affing mit dem Herausgeber des Buches (Marian Freiherr von Gravenreuth) und der Autorin (Suzane Freifrau von Seckendorff) zusammen zu treffen. Wir alle freuten uns über das überaus gut gelungene Buch, dass nun viele Freunde der Familie zu weihnachten auf dem Gabentisch wiederfinden werden. Mit den Fotografien in Schloss Affing und im Familienarchiv konnte ich einen kleinen Beitrag zu diesem, ganz wunderbaren Projekt liefern.

Danke.