In Raisting am Ammersee ist das RADOM nun „Oben ohne“

Das RADOM in der Erdfunkstelle Raisting am Ammersee ist so alt wie ich – Baujahr 1965.

Eine Erdfunkstelle ist gemäß Definition der Internationalen Fernmeldeunion eine Funkstelle
die sich entweder auf der Erdoberfläche oder innerhalb des größten Teils der Erdatmosphäre 
befindet und die dazu bestimmt ist,
- mit einer oder mehreren Weltraumfunkstellen oder
- mit einer oder mehreren Funkstellen der gleichen Art über einen oder mehrere 
  reflektierende Satelliten oder andere Weltraumkörper Funkverkehr abzuwickeln.
Quelle: Wikipedia

Im Februar 2020 war Oberbayern und weite Teile Deutschlands Orkangebiet.

In diesem Beitrag zeigten wir anhand der Meteosat Daten die Kraft der heranrollenden Tiefdruck Gebiete über Europa. Wenige Tage danach die Schreckensmeldung aus Raisting.

 

Die Traglufthülle des RADOM wurde am 28. Februar 2020 zerstört

Die 25m große Parabolantenne des RADOM steht nun im Freien und das Unwetter hat wohl Teile der Elektronik durch Wasser zerstört.

Sehr schade.

Wie es mit dem Industriedenkmal weiter geht ist ungewiss.

Ich nutze den Besuch hier in Raisting für einen ausführlichen Rundgang durch das Freigelände mit den vielen Parabolantennen, dem Tor Bayern in den unendlichen Weltenraum.

 

Erdfunkstelle in Raisting

7 Großantennen und über 40 Kleinantennen sind auf diesem Areal zusammen. Weltweit ist Raisting die letzte Erdfunkstelle mit einem RADOM und eine der größten Erdfunkstellen überhaupt. Technologie von Weltrang steht vor der eigenen Haustüre und freut sich über Besucher (außerhalb der Corona-Beschränkungen).

 

Die Umgebung der Erdfunkstelle ist idyllische Landschaft und wird auch weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Fotografisch könnte der Kontrast nicht besser und auch nicht gelungener sein. High-Tech und Kulturlandschaft im Einklang.

 

Die Kirche St. Johann und die Parabolantennen

Eigentlich eine bizarre Kulisse, in Bayern aber Tradition und Moderne im gelungenen Einklang miteinander. Die kleine Kirche St. Johann wacht seit 1963 über dem Geschehen der Erdfunkstelle in Raisting und begleitet die Kulisse der Hightech in Bayern, mit dem Alpenpanorama und der Verbundenheit im Glauben und Tradition.

Jetzt im Spätfrühling, mit den blühenden Wiesen und dem bayerisch-blauen Himmel über Oberbayern ist die Szenerie perfekt für den Fotografen (mit seinem Smartphone). Ein kleiner Spazierweg nach Süden, an den riesigen Parabolantennen der Erdfunkstelle vorbei und es öffnet sich der Blick auf diese einmalige Symbiose aus Technologie, der Mondlandung und dem barocken Kirchlein St. Johann. Fast zu idyllisch – aber eben typisch für Bayern und dem Aufbruch aus den Zeiten des reinen Agrarstaates in die Moderne mit Luft- und Raumfahrt.

Die Mondlandung von Apollo 11 wurde hier empfangen

Ein weltweites Netz an Erdfunkstellen ermöglichte den Empfang der Funksignale von / zu Apollo 11 und den anderen Mondflugprogrammen für eine dauerhafte Funkverbindung zum Gelingen der Missionen. Raisting war eine der wichtigsten Stationen. Das Signal ging von hier aus per Kabel auf die Zugspitze und wurde dann per Richtfunk nach München zum Fernsehturm übertragen und dort in die Kommunikationsnetze übertragen.

 

Das rote Telefon von Washington nach Moskau lief via Satellit über Raisting

Der Weltfrieden und die Verhinderung des 3. Weltkrieges wurde dadurch möglich gemacht – eine schnelle und direkte Kommunikationsbeziehung zwischen den beiden Supermächten zur Sicherung des Weltfriedens.

Die Erdfunkstelle Raisting ist für alle Technikbegeisterten immer ein Besuch wert.