{"id":43947,"date":"2024-09-14T20:06:53","date_gmt":"2024-09-14T18:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/deltaimage.de\/wp\/?page_id=43947"},"modified":"2024-09-15T20:26:17","modified_gmt":"2024-09-15T18:26:17","slug":"43947-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/deltaimage.de\/wp\/?page_id=43947","title":{"rendered":"Das Dachauer Moos"},"content":{"rendered":"<p>Die Niedermoor- und Hochmoorlandschaften waren in vielen Teilen Bayerns eine typische und pr\u00e4gende Landschaftsform. Aus den nahen Alpen ist mit regelm\u00e4\u00dfigen Niederschl\u00e4gen viel Wasser vorhanden und so ist die Bildung von Quell- und Regenmooren umso konsequenter. Nur Teile davon, oft nur noch kleine Reste, haben sich noch erhalten. Das Dachauer Moos ist das zweitgr\u00f6\u00dfte Nieder\u00admoor\u00adgebiet in Bayern, nur das Donau-Moos ist noch gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p>Es ist auch das bedeutendste Moorgebiet am Nord\u00adrand der M\u00fcnchener Schotterebene. Im Dachauer Moos erkennt man meist kaum noch diese urspr\u00fcnglichen Naturfl\u00e4chen im Landschaftsbild; das Moos wandelte sich zu einem zerschnittenen Landschafts\u00ad\u00adraum, mit viel Uniformit\u00e4t und kaum pr\u00e4genden und typischen Landschaftsmerkmalen. Wiesen, \u00c4cker und W\u00e4lder bestimmen das Landschafts\u00adbild anstelle der typischen Moos\u00adlandschaft. Verkehrsachsen, Industriegebiete, Wohn\u00adbebauung und die damit einhergehende Zersiedelung der Landschaft sind, gerade im Ballungs\u00adraum um M\u00fcnchen, \u00fcberall zu sehen. Das Dachauer Moos ist dabei keinerlei Ausnahme.<\/p>\n<p>Mit dem Wandel der Mooslandschaft geht auch eine starke Ver\u00e4nderung der Flora und Fauna im Natur\u00adraum einher. Die vielf\u00e4ltigen und abwechslungs\u00adreichen Habitate, Lebensr\u00e4ume und Biotope f\u00fcr typische Pflanzen und Tiere sind durch die uniforme und der modernen Gesellschaft unter\u00adgeordnete Landschaft verdr\u00e4ngt worden.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung seit der Nachkriegszeit ist dem ungeheuren Platzbedarf in allen Bereichen des Lebens und des Wirtschaftens geschuldet &#8211; und vielleicht auch dem mangelnden Bewusstsein \u00fcber den Wert und den Schatz dieser urspr\u00fcnglichen Natur\u00adlandschaften. Erst in der j\u00fcngsten Zeit werden die wichtigen Einfl\u00fcsse der Moorlandschaft im Hinblick auf den Artenerhalt, die Biodiversit\u00e4t, den Klima\u00adschutz oder den Schutz vor Hochw\u00e4ssern und D\u00fcrren bewusst. F\u00fcr vieles ist es schon zu sp\u00e4t und das Rad der Entwicklung ist zu weit gedreht worden, aber manches l\u00e4sst sich noch korrigieren und damit erhalten. Die Bilder dieser Mooslandschaft wollen und sollen einen kleinen Beitrag dazu leisten. Die Mooslandschaft soll hier nicht nur aus der Sicht des Technokraten betrachtet werden als wertloses Land. Oder aus der Sicht des Landschafts\u00f6kologen dessen\u00a0 Sprache und Begrifflichkeiten f\u00fcr die Kommunikation mit der Bev\u00f6lkerung sehr distanziert und fern erscheinen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Entstehung des Niedermoores aus den Eiszeiten<\/h2>\n<p>Die Moor- und Mooslandschaften in unserer Region sind alle als unmittelbare Folge der Eiszeiten (Kaltzeiten) und die von ihnen verursachten Ver\u00e4nderungen in der Landschaft entstanden. Diese Gegend steht dabei unter dem geologischen Einfluss der letzten W\u00fcrm-Eiszeit, in der Zeitspanne von 120.000 bis 20.000 Jahren vor unserer Jetztzeit (Holoz\u00e4n), am Ende des Pleistoz\u00e4n. Dieses <strong>W\u00fcrmglazial<\/strong> war die <strong>vierte Eiszeit<\/strong> n\u00f6rdlich der Alpen und ist nach dem Altmeister der Eiszeitforschung <strong>Albrecht Penck<\/strong> (1858-1945) im Jahr 1901 nach den rechten Donauzufl\u00fcssen und deren Abfolge benannt worden. Die <strong>G\u00fcnz-Eiszeit<\/strong> war die erste, die <strong>Mindel-Eiszeit<\/strong> die zweite, die <strong>Ri\u00df-Eiszeit<\/strong> die dritte und die <strong>W\u00fcrm-Eiszeit<\/strong> die vierte Eiszeit im <strong>Pleistoz\u00e4n<\/strong> im Voralpengebiet.<\/p>\n<p>An die Eiszeit selber schlie\u00dft sich die Zeitperiode des R\u00fcckzugs der Gletscher aus dem Voralpenland durch ihr Abschmelzen und durch die geologische Landschafts\u00adgestaltung mit End- und Seitenmor\u00e4nen an. Letztere bestimmen bis heute das Landschaftsbild im Voralpengebiet und verweisen auf dessen Entstehungsgeschichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Das Terti\u00e4r-H\u00fcgelland ist viel \u00e4lter<\/h2>\n<p>Vor dem jeweiligen Gletscher bildet sich ein dichtes Netz aus Rinnsalen und diese transportieren den Gletscherschutt und die Schmelzw\u00e4sser \u00fcber die W\u00fcrm, Amper und Isar in die so entstehende Schotterebene ab. Letztere war baum- und strauchlos und wurde von den Gletscherabfl\u00fcssen immer wieder umgebildet. Auf ihr bildete sich kaum Vegetation, sie hatte den Charakter einer Tundra, \u00e4hnlich wie auf Island.<\/p>\n<p>N\u00f6rdlich der Maisach liegen geologisch viel \u00e4ltere Gebiete aus dem Terti\u00e4r (3. Erdzeitalter), und diese wurden im Quart\u00e4r (4. Erdzeitalter), durch die Abfolge der Eiszeiten, nicht mehr ver\u00e4ndert. Das Terti\u00e4r hat ein geologisches Alter von 15 Millionen Jahren. Die Abfolge der Eiszeiten im Pleistoz\u00e4n (Zeitalter der Eiszeiten), erz\u00e4hlt auch die geologische Entstehungsgeschichte des Dachauer Mooses und speziell des Maisacher Mooses \u00fcber Jahrtausende hinweg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Das Moos wird wirtschaftlich genutzt<\/h2>\n<p>Die wirtschaftliche Nutzung des einst nutz- und wertlosen Landes ver\u00e4nderte dieses grundlegend. Das Moos wurde durch die Entw\u00e4sserungs\u00adma\u00dfnahmen trockengelegt, die tiefen Moos\u00adgr\u00e4ben in der Landschaft entstanden und f\u00fchrten das oberfl\u00e4chennahe und tiefbraune Wasser \u00fcber Rinnsale, B\u00e4chlein und B\u00e4che in die W\u00fcrm und die Amper zu den gro\u00dfen Fl\u00fcssen und in die Meere ab. Aus dem tief\u00adgr\u00fcndigen und nahezu undurch\u00addringlichen Moos wurden mit der fort\u00adschreitenden Abtorfung, als Nachfolge eine landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che in Form von Weiden und Streuwiesen. Stra\u00dfen und Wege konnten gebaut werden, das Moos wurde erschlossen und besiedelt. Die urspr\u00fcngliche Naturlandschaft ver\u00e4ndert sich heute mehr denn je zur industriell genutzten Kultur\u00adlandschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Was ist im Moor fotografisch spannend?<\/h2>\n<p>Jeder Landschaftsraum hat seine ganz eigenartige Natur und ist fotografisch andersartig interessant. Es gibt f\u00fcr mich kein Besser und kein Sch\u00f6ner. F\u00fcr mich liegen die verschiedenen Niedermoor-Landschaften so klein\u00adr\u00e4umig in n\u00e4chster Umgebung dass ich sie gut zu Fu\u00df und per Rad erreichen kann. Es ist wohl auch dieses gro\u00dfe Ma\u00df an Abwechslung in der Fotografie, was hier den Reiz ausmacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Hochmoor und Heide \u2013 Spezialisierung auf das Wenige<\/h2>\n<p>Das Hochmoor und die Heidelandschaft auf Kalkmagerrasen haben vieles gemeinsam, sind die Habitate auch noch so unterschiedlich. Beides sind extrem reduzierte Standorte, was das Angebot an Wasser und N\u00e4hrstoffe anbelangt. An diesen nat\u00fcrlichen oder auch Menschen-gemachten Standorten, sind es vornehmlich die Pioniere im Tier- und Pflanzenreich, die sich zuerst ansiedeln und erfolgreich die Grundlage f\u00fcr sp\u00e4tere Sukzessionsarten liefern. Alles ist viel kleiner, denn Gr\u00f6\u00dfe bedeutet hier Verschwendung. Fotografisch muss der Fotograf oder die FotografIn umso mehr hinschauen und genauer beobachten, um die Sch\u00f6nheiten im Kleinen zu entdecken und in Bildmotive umzusetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Von der Schotterebene zur Heidelandschaft (Trockene Schotterebene)<\/h2>\n<p>Die Schotterebene f\u00e4llt in der M\u00e4chtigkeit von S\u00fcden nach Norden hin ab. Die Oberfl\u00e4chenlinien fallen deutlicher ab als der Grundwasserpegel. So ergibt sich eine imagin\u00e4re Linie des Grundwasseraustritts aus der Schotterebene. S\u00fcdlich dieser Linie ist die M\u00e4chtig\u00adkeit des Schotters h\u00f6her als der Grundwasserpegel. N\u00f6rdlich dieser Linie reicht der Schotter nicht mehr bis zum Wasserspiegel der Oberfl\u00e4chenw\u00e4sser heran. Vor dieser imagin\u00e4ren Grundwasseraustrittslinie, in diesem Schema s\u00fcdlich, ist der oberfl\u00e4chennahe Schotter trocken, das Grundwasser liegt tiefer. Wir befinden uns somit au\u00dferhalb des Niedermoorgebietes.<\/p>\n<p>Hier entwickelt sich die Landschaft nach der letzten Eiszeit an einigen Stellen zu einer ausgedehnten Heidelandschaft mit einer Steppen-\u00e4hnlichen Struktur. Es herrscht Trockenheit auf dem Kalkschotter vor. Solche Heidefl\u00e4chen sind auch in der M\u00fcnchener Schotterebene anzutreffen, so zum Beispiel in Oberschlei\u00dfheim, im Mallertshofer Holz und der ausgedehnten Fr\u00f6ttmaninger Heide.<\/p>\n<p>Es bilden sich dort auf der Heidefl\u00e4che typische Magerstandorte auf einem Kalkmagerrasen als besondere Biotope f\u00fcr die Pionierpflanzen. Solche Magerstandorte sind oft von Menschenhand, geformte Landschaften: Steinbr\u00fcche, Aufsch\u00fcttungen, Schutthalden oder Industriebrachen. Der Landschafts\u00adraum wird durch die ausgedehnten,\u00a0 von den abflie\u00dfenden Eiszeit-Schmelzwassern hierher\u00adtrans\u00adportierten Schotter-Terassenfeldern und deren ganzj\u00e4hrigen Trockenheit dominiert.<\/p>\n<p>Auf diesen Magerstandorten sammelt sich ein nur wenige Zentimeter starker Verwitterungsboden mit einer nur sehr d\u00fcnnen Humusauflage. Die Bedingungen f\u00fcr das biologische Leben der Pflanzen sind sehr karg. Kaum N\u00e4hrboden, schlechter Halt in der Landschaft und vor allem, wenig Wasser, da die Niederschl\u00e4ge unmittelbar durch das offenporige Ger\u00f6ll\/Schotter versickern und so der biologische Umsatz kaum Zeit zur Wirkung besitzt.<\/p>\n<p>Der eigentliche Grund\u00adwasser\u00adspiegel ist so tief, dass die Pflanzen ihn nicht mehr aufschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Die Ruderal-Landschaft (vom lat. \u201eSchutt\u201c) wird so von typischen Pionierpflanzen erschlossen, die \u2013 \u00e4hnlich wie im Hochmoor \u2013 mit wenig von allem auskommen m\u00fcssen. Auch hier entstehen besonders wertvolle Artengemeinschaften, die an anderen Stellen l\u00e4ngst ausgestorben sind.<\/p>\n<p>Die \u00dcberg\u00e4nge von einer Heide-artigen Landschaft zu einem Niedermoor k\u00f6nnen sehr kleinr\u00e4umig sein, es braucht nur etwas mehr Grundwasser, und schon kommt der biologische Motor f\u00fcr eine Entwicklung einer Mooslandschaft, \u00fcber 10.000 Jahre hinweg, in Gang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Hier navigieren Sie einfach:<\/h3>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/deltaimage.de\/wp\/?page_id=43677\">Zur\u00fcck zur \u00dcbersicht<\/a><\/strong><\/li>\n<li>weiter zur n\u00e4chsten Seite &#8222;<strong><a href=\"https:\/\/deltaimage.de\/wp\/?page_id=43954\">Vielf\u00e4ltigkeit der Landschafts- und Naturr\u00e4ume<\/a><\/strong><b><\/b>&#8222;<\/li>\n<li>weiter zur vorherigen Seite <strong>&#8222;<a href=\"https:\/\/deltaimage.de\/wp\/?page_id=43935\">Ziele im Projekt<\/a>&#8222;.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Niedermoor- und Hochmoorlandschaften waren in vielen Teilen Bayerns eine typische und pr\u00e4gende Landschaftsform. 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