Partielle Sonnenfinsternis über dem Dachauer Moos – meine Eindrücke


Tagsüber, an diesem Sommertag, ein klarer »Sommerhitze-Himmel« über Bayern und dem Dachauer Moos. Keine Wolke, den ganzen Tag nicht.

An den letzten Tagen ist die Sonnenscheibe einfach so hinter den Horizont gefallen.
Kein Farbspektakel, kein besonderes Licht, keine Wolken.

Doch heute Abend wird trotzdem etwas ganz Besonderes am Himmel gegen den Westen zu sehen und zu erleben sein.

... so sagt man heute!

Abendhimmel am 12. August 2026 über der Altstadt Dachau mit der markanten Silhouette des Renaissance-Schlosses in Dachau. Gleich links daneben ist das Satteldach des historischen Wasserturm Dachau zu erkennen. Ganz rechts im Foto, die Stadt- und Schloss-Kirche St. Jakob in Dachau – kurz nach dem glutroten Sonnenuntergang an diesem Tag im Nordwesten.

Der Blick auf den Abendhimmel, mit der Kulisse der Altstadt Dachau, hoch über dem Dachauer Moos, lässt noch nicht das Himmelsspektakel erahnen, das sich heute Abend hier abgespielt hatte. Die weithin bekannte Kulisse des Dachauer Schlosses mit dem Hofgarten, heute Abend als Silhouette mit der Altstadt Dachau und der Stadt- und Schloss-Kirche St. Jakob.

 

Sicherheit für die Augen und die Kamera gehen immer vor!

„Der natürliche Dunst der tief stehenden Sonne am Horizont, dämpft das Licht für die Kamera genau passend ab. Natürlich galt beim direkten Blick mit dem Auge absolute Vorsicht: Dafür kam meine bewährte Finsternisbrille aus dem Jahr 1999 zum Einsatz. Doch fotografisch bot die Atmosphäre kurz vor dem Sonnenuntergang den perfekten, natürlichen Filter – ganz ohne dichte ND-Aufsätze oder Sonnenfilter, die das Umgebungslicht der Landschaft komplett vernichtet hätten.“

Nur wenn man weiß, was man tut, kann man auch vom üblichen Weg abweichen!

 

Eine partielle Sonnenfinsternis über Europa und auch über dem Dachauer Moos

Die Sonne und der Mond zelebrieren heute wieder ein astronomisches Spektakel allererster Güte. Die Sonne zieht den ganzen Tag über ihre gewohnte Bahn und wird abends gegen 20.33 Uhr (MESZ – Mitteleuropäische Sommerzeit) langsam hinter der Horizontlinie im Nordwesten untergehen.

Wie immer?

Nein, nicht ganz!

Zur Erinnerung: Der Mond hat beim Blick von der Erde aus exakt denselben scheinbaren Durchmesser wie die viel, viel weiter entfernte Sonne

  • 19:23 Uhr MESZ:
    Der Mond beginnt sich ganz langsam vor die glühende Sonnenscheibe zu schieben und so unseren Blick auf das Zentralgestirn immer mehr zu blockieren. Die partielle Phase beginnt.
  • 20:15 Uhr MESZ:
    50 Minuten später blockiert der Mond den Großteil der Sonne, nur noch eine sichelförmige Ringfläche strahlt die ungeheure Energie auf unsere Erde. Erst in den allerletzten Minuten kann man diesen Verlust von etwa 89 % des Lichtes und der Strahlungsenergie auch wahrnehmen.
  • 20:32 Uhr MESZ:
    Die partielle Sonnenfinsternis ist noch nicht zu Ende. Das Himmelsspektakel geht noch weiter. Die Sonnenscheibe ist über München, und damit auch über das Dachauer Moos nun unter der Horizontlinie untergegangen. Die partielle Sonnenfinsternis ist in der Wahrnehmung jetzt zu Ende.
  • 21:06 Uhr MESZ:
    Die partielle Sonnenfinsternis ist soeben zu Ende, der Mond hat hinter der Horizontlinie die Kontur der Sonne wieder verlassen und bedeckt sie im Blick von der Ende (unter Standpunkt) nicht mehr.

Die Sichel der partiellen Sonnenfinsternis geht genau über dem Hofgarten des Schlosses Dachau in den Sonnenuntergang über. Die Sichel kann nun ohne Sonnenfilter fotografiert werden.

Fast ein bisschen Euphorie wie 1999 im Sommer mit der totalen Sonnenfinsternis

Das erinnert mich noch an die totale Sonnenfinsternis, es war auch Sommer, das war eine Euphorie und ein echtes Spektakel. ARD und ZDF brachten drei Tage lang Sondersendungen und Prof. Dr. Harald Lesch hatte seine ersten Auftritte als Astrophysiker im Fernsehen. Auch ich versuchte mich , in der analogen Fotografie, dieses Jahrhundert-Ereignis schon festzuhalten. Dagegen ist eine partielle Sonnenfinsternis, wenn auch mit 89 %, nur der kleine unscheinbare Bruder.

Als ich 1999 die totale Sonnenfinsternis über dem Dachauer Land auf DIA-Film mit ISO 100 festhielt, gab es weder Live-View noch Tutorials im Minutentakt. Man musste Licht, Dynamik und Atmosphäre im Gefühl haben. Wenn man heute durch die Fotokanäle und Medien scrollt, liest man meist dieselben theoretischen Anleitungen: schwarze Filter vorschrauben, die Sonne isolieren, fertig. Doch wer so herangeht, verpasst das Wesentliche: die Stimmung vor Ort und den Bezug zur Heimat.

 

Die Sonne wird beim Sonnenuntergang von dem scheinbar gleich großen Mond zu 89 % verdeckt und nur noch wenige Minuten lang zu sehen sein. Jetzt ist die sicherste Zeit, das Himmelsspektakel zu fotografieren.

Das Meiste ist Quatsch und zeigt, dass das Wissen und das Gefühl für Fotografie verloren gehen. Die Atmosphäre dämpft das Sonnenlicht so stark, dass das Fotografieren der Sichelscheibe auch mit langen Brennweiten gefahrlos möglich ist. Zu Beginn der Finsternis wollte ich ganz sicher gehen und habe die Kamera mit dem Objektiv auf einen sicheren Bereich des Abendhimmels ausgerichtet. Ferner, hielt ich mit der Hand, zwischen den Aufnahmen, das Licht aus dem Objektiv fern.

 

Fotografie ist Erfahrung – nicht stures Befolgen von vermeintlichen Social-Media-Tipps

Heute ist die partielle Sonnenfinsternis ganz anders als 1999, damals war die Totalität um 13.30 Uhr – hoch am Mittagshimmel. Entsprechend unbequem war auch das Fotografieren der Totalität: annähernd 90° in den Himmel. 2026 ist die partielle Sonnenfinsternis ganz bequem und sehr tief über der Horizontlinie, die Sonne wird nach dem Höhepunkt auch von dieser verdeckt werden. Tausendmal bin ich schon an dieser Stelle mit der Kamera gestanden und habe Sonnenuntergänge fotografiert, immer ohne Filter.

Wozu auch?

Jetzt soll ich, nur weil 89 % der Sonnenscheibe vom Mond abgedeckt sind, einen speziellen Sonnenfilter zum Fotografieren verwenden!

Nichts von der Fotografie verstanden!

Der Hofgarten mit dem Dachauer Wasserturm und die Silhouette des Renaissance-Sommerschlosses der Wittelsbacher in Dachau. Darüber die nur ganz selten zu beobachtende partielle Sonnenfinsternis über Dachau.

Und es hat ganz perfekt geklappt, die Sonnenscheibe ging just an der Bahn unter, wie jedes Jahr im August. Eigentlich nicht verwunderlich!
Ganz dominant im Bildmotiv sind die Sichel der Sonne und die Abdeckung durch den Mond zu erkennen, nun aber mit einer eindeutigen Lokalität hinter dem Höhenzug am Dachauer Schloss, im Übergang zwischen dem Dachauer Moos und dem tertiären Hügelland.

 

Das Bildmotiv entsteht im Kopf und nicht auf dem Sensor

Die Uhrzeit vor dem Sonnenuntergang ist doch die Gelegenheit und eine ganz große fotografische Chance. Die Finsternis von 89 % sieht später auf dem Foto aus, als sei es in einem Grafikprogramm konstruiert worden.

Ganz nett!

Ein Bildmotiv wird erst daraus, wenn mehr im Bild zusammenkommt. Kurz vor dem Sonnenuntergang bietet sich die Landschaft – unsere Heimat – im Besonderen dazu an. Das Dachauer Schloss lässt sich aus dem Dachauer Moos ohne große Sichtbehinderungen ganz wunderbar betrachten und fotografieren. Falls die Sonne genau dort untergeht, wo sie im August immer untergeht, dann könnte das perfekt passen.

Das Dachauer Schloss als markante Silhouette und dahinter die schmale Sichel der Sonnenscheibe im glutroten Abendhimmel gegen Nordwesten sind die perfekten Zutaten zu einem spannenden Bildmotiv. Der ganz natürliche Dunst der Atmosphäre ist in der Fotografie in diesem Bildmotiv unser bester Verbündeter. Nach dem Maximum der Sonnenfinsternis (20:15 Uhr MESZ) sinkt die Sonnenscheibe stetig immer weiter in Richtung Horizontlinie. Das Licht wird ganz natürlich bei dem immer längeren Weg, durch die immer dichtere Atmosphäre auch fotografisch ganz natürlich gedämpft.

Das ist anders als noch 1999 – da war die Totalität noch am Mittagshimmel 
und keine natürliche Lichtdämpfung half uns!

Statt eines starren Sonnenfilters ging es heute darum, das magische Zusammenspiel aus dem tiefen Abendrot, den feinen Schleierwolken und der charakteristischen Silhouette des Dachauer Schlosses perfekt auszubalancieren. Das Bild ist nicht im Labor entstanden, sondern durch präzise Standortplanung und fotografische Erfahrung.

 

Abschließender EXIF-/Technik-Block

Um den Beitrag für deine Fachleser perfekt abzurunden, habe ich einen kurzen Blick über meine fotografische Schulter und meine Einstellungen angefügt:

Mittens im Dachauer Moos mit Blick nach Nordwesten auf die Dachauer Altstadt. Die Sonne ist bereits im Sonnenuntergang, dann schiebt sich der Mond vor sie und verdeckt 89 % der Sonnenscheibe.

  • Location/Wo?: Dachauer Moos, Tiefer Graben, mit Blickrichtung nach West-Nordwest zum Dachauer Schloss

Welches Equipment?

  • Meine Kamera: CANON EOS 1D Mark IV (APS-H) mit EF 100-400 mm f/4.5-5.6 L USM IS mit 400 mm (am APS-H 520 mm)
  • Belichtung: Av, Zeitautomatik, Helligkeitsreihe von -3 bis +0 EV
  • Spiegelvorauslösung, Time 2 Sekunden
  • Leichtes Stativ, keine Filter

 

Virtuosität statt YouTube-Weisheiten: Warum Erfahrung schlägt, was Ratgeber predigen

Wenn astronomische Ereignisse wie die partielle Sonnenfinsternis anstehen, laufen die Fotokanäle über:

„Verwendet ultrastarke Graufilter! Exponiert, strikt nach Lehrbuch! 
Freistellen und nah heranzoomen!“

Wer sich jedoch starr an diese Rezepte hält, übersieht das Wichtigste: die Realität vor Ort.

Bitte nicht falsch verstehen wollen: Zum Betrachten der Sichelscheibe habe auch ich meine Sonnenschutzbrille von 1999 genutzt, um gerade als Fotograf mein Augenlicht nicht zu gefährden. Der elementare Kniff lag darin, den Durchgang durch den Höhepunkt bewusst abzuwarten und die natürliche Dämpfung des Lichtes und die Annäherung an die Silhouette des Dachauer Schlosses gezielt ausnutzen zu können. Alles andere wäre unverantwortlich und gesundheitlich sehr gefährlich.

Die fotografische Schönheit in dieser partiellen Sonnenfinsternis ist die beobachtbare Lage im Dachauer Moos, in Verbindung mit dem Sonnenuntergang während der Überdeckung. Das Ende der Sonnenfinsternis sehen wir aus Dachau nicht mehr, diese liegt weit unterhalb der Horizontlinie.

Als ich bereits 1999 die totale Sonnenfinsternis im Dachauer Land analog auf Film fotografierte, gab es weder Vorschau-Monitore noch schnelle Tutorials. Man musste Belichtungsspielräume im Gefühl haben, das Licht lesen und vorausschauend planen.

Heute zeigt sich: 
Die Mechanik der Fotografie mag digitaler geworden sein, aber das Verständnis für Licht ist geblieben.

 

Das Spiel mit dem Licht am Horizont

Da die Sonnenfinsternis am späten Abend knapp über dem Horizont gipfelte, übernahm die Erdatmosphäre die Arbeit, die viele mit überdimensionierten Filtern erdrosselt haben. Der natürliche Dunst der Atmosphäre dämpfte das Licht genau so weit ab, dass eine perfekt durchgezeichnete, scharfe Sonnensichel möglich wurde – ohne dabei die warme, dramatische Stimmung des Abendhimmels zu zerstören.

Wer hier stur nach Schema F vorging, fotografierte ein schwarzes Bild mit einer isolierten Sichel. Das hätte man auch in einem Grafikprogramm erstellen können.

 

Ein Bild braucht Heimat und Kulisse

Ein technisch sauberes Foto der Sonne ist nett für ein Lehrbuch. Das besondere Bild entsteht erst durch den Kontext:

  • Die markante Silhouette des Dachauer Schlosses.
  • Das Zusammenspiel aus warmen Orange- und Rottönen in den Wolkenbändern.
  • Die feine Zeichnung der Bäume im Vordergrund.
  • Fotografie ist keine Mathematik, bei der man einfach nur Einstellungen kopiert. Sie ist das Zusammenspiel aus Standortplanung, Intuition, fotografischer Praxis und dem Willen, ein Motiv zu schaffen, das eine Geschichte erzählt.
Mein Fazit an diesem Abend: Voll im Ziel.