Das führende Magazin für Naturfotografie hat für das monatlich erscheinende Ausgabe jeweils ein anderes Titelthema, welches immer mit einem Leserwettbewerb begleitet wird. Eine wunderbare Sache, um noch mehr Vielfalt an fotografischen Umsetzungen zu einem speziellen Thema in der Naturfotografie sehen und damit lernen zu können.
Für die Ausgabe 01/2026 war das Thema Moore angekündigt, was mich sehr freute, da dies ja hervorragend in meinen Themenkreis hineinpasst. Also wollte ich auch bei dem Leserwettbewerb mitmachen und mein Foto – man darf nur jeweils ein Foto einreichen – in den Kontext mit vielen anderen FotografInnen zu stellen. Mein Bildmotiv ist ja längst ausgesucht und hängt auch schon als Ausdruck bei mir an der Wand.

Moore: Dancing on Air
von: Paul Eschbach
für den Wettbewerb: Moore
Ein einzeln und frei stehender Totholzbaum im nördlichsten Hochmoorrest des bayerischen Alpenvorlandes ist ein beliebter Ansitzplatz für den Graureiher. Ein Graureiher flog immer wieder um diesen Baum herum, eine schöne Gelegenheit, diesen Graureiher auf dem kargen Baum sitzend zu fotografieren. Dann kam ein weiterer Graureiher mit dazu und für einige wenige Sekunden tanzten die beiden Graureiher in der Luft – mit weit ausladenden Flügelschlägen. Hochmoore und Niedermoore sind wichtige Rückzugsgebiete dieser sehr eleganten Vögel. Dort findet er Nahrung und seine Ruheplätze.

Die kleine Geschichte hinter der Geschichte
An jenem Tag war ich zum Location-Scouting im Roten Moos bei Haspelmoor in Bayern unterwegs, in wenigen Wochen hatte ich bei den Naturfototagen in Fürstenfeldbruck einen Workshop als Workshopleiter. Mit der Fotogruppe sollten wir die Moor- und Moos-Landschaft bei Haspelmoor fotografisch erkunden. Dazu ist es für mich eine Ehrensache, die Orte des Workshops vorher alleine zu begehen um auch ganz zeit-aktuell etwas zur Tier- und Pflanzenwelt aussagen zu können und die Wanderrouten zu planen.
Und da stehe ich nun an dem langen Entwässerungsgraben und entdecke den Totholzbaum in dessen Mitte. Weit weg von mir – so sollten sich die Tiere in dessen Nähe auch sicher fühlen. Ich baue mein Stativ auf und richte mein Objektiv mit 600 mm auf den Wipfel des Baumes aus. Der Hintergrund ist ein einheitliches Weiß – leicht overcast. Das verspricht eine sehr gute Beleuchtung des Bildmotivs ohne harte Schatten.
„Es könnte ja sein, dass einer der Graureiher sich da oben hinsetzt!“
Die Kamera und alles war eingestellt, von mir aus könnte es losgehen. Und es ging gleich los.
Ein tierisches Theaterstück in 5 Aufzügen





… und dann war es nur noch ein Graureiher auf dem Totholzbaum.
Fotografische Sicht auf diese Szenerie
- Die Entfernungspunkte sind vor Ort durch die Landschaft fest definiert gewesen. Der Baum und der Fotostandort sind fix und unveränderlich.
- Die Brennweite war 400 mm an APS-C – also effektiv 640 mm Brennweite. Viel mehr geht kaum noch.
- Trotzdem war das Bild im Sucher nicht ausfüllend mit ausreichend Weißraum drumherum. Ich rechnete ja nicht mit solch einer raumgreifenden Szenerie – es war für die Bilderfolge hervorragend so wie es war.
- Mein Fotoziel war ein Vogel auf dem Baum sitzend. Da reicht eine leicht angehobene ISO vollkommen aus. Die Szenerie war so unerwartet dynamisch in der Bewegung, das war die Überraschung für mich und zeigt sich in einer graduellen Bewegungsunschärfe gerade in den Flügelspitzen.
- Für das Bildmotiv ist das eine perfekte Umsetzung des Motivs, vor allem vor dem einheitlich weißen und nicht störenden Hintergrund. Für einen Fotowettbewerb ist die Unschärfe wohl zu groß. Hätte ich dazu die Empfindlichkeit auf ISO 1000 erhöht, wäre diese subtile Bewegungsunschärfe nicht da, das wäre echt schade. Also alles richtig gemacht!