Einige besondere Protagonisten der Oldtimer-Ausstellung in Schloss Affing

Die Reise in das virtuelle Jahr 1981 startete bei mir mit einem Defekt an der mechanischen Olympus OM-1. Mit dieser legendären Kamera (SLR) hat Olympus die äußerst erfolgreiche, kompakte  OM-Baureihe auf der Photokina in Köln 1972 begonnen. Im Jahr 1979 wurde die Kamera ganz leicht modifiziert als OM-1n fortgesetzt und bis ins Jahr 1987 gebaut.

Mechanischer Verschluß
äußerst kleines und leichtes Gehäuse
eine der optisch schönsten Kameras überhaupt

Beim Warten auf meinen Fotografen-Freund Andi wollte ich frisch den ILFORD DELTA 100 Professional einlegen. Technisch einer der besten Schwarzweiß-Negativ-Filme in Ilfords Portfolio, besticht er durch überragende Bildschärfe und feines Filmkorn. Genau in diesem Moment bemerkte ich die Fehlfunktion – eine kleine Schraube im Kameragetriebe hatte sich gelöst. So wechselte ich noch schnell auf die Olympus OM-2n, die mich den restlichen Tag über perfekt begleitete. Mittlerweile ist die Schraube der OM-1 wieder festgezogen und alles läuft perfekt. Eigentlich wollten Andi und ich an diesem Tag zwei rein mechanische Edelkameras gegeneinander antreten lassen – die Olympus OM-1 gegen Andis Leica M6. Nun übernahm die elektronisch gesteuerte OM-2n den analogen Dienst.

BILD MEINE AUSRÜSTUNG FÜR AFFING

Die Schwarzweißfotografie (oder Monochromfotografie) ist die Urform der Fotokunst. Da sie auf Farben verzichtet, lenkt sie den Blick direkt auf das Wesentliche:

Formen, 
Linien, 
Texturen und 
das Zusammenspiel von Licht und Schatten.

 

Wer wird zum Protagonisten bei mehreren Hundert Oldtimern?

Beim Gang durch die Reihen der meist edlen Limousinen fallen mir fotografische Linien und Formen auf, die es wert sind, genauer betrachtet zu werden. Eine Oldtimer-Ausstellung ist eben deutlich mehr als die bloße Summe der einzelnen Exponate. Aus der Fülle der Fahrzeuge sind mir zwei Protagonisten ganz besonders ins Auge gestochen.

 

Protagonist 1: Der Mercedes 180 (Baureihe W 120) „Ponton“ – Die Würde des Alltäglichen

Das Auto steht da wie auf einem Präsentierteller. Nicht eng eingepfercht, sondern frei. Die ZuschauerInnen halten würdevollen Abstand und drücken sich nicht die Nase an der Scheibe platt. Sie werden Teil der Szenerie, lassen dem Wagen aber die ganze Würde des Augenblicks.

Solche Momente wirken oft nur für ein Zehntel einer Sekunde und sind dann für immer verschwunden. Mein Zuiko 180mm f/2.8 passt auf diese Entfernung optimal. Bei offener Blende stellt es die ZuschauerInnen im Hintergrund bereits genügend frei. Das Auto bleibt der Star der Show – an diesem Platz, in dieser Sekunde.
Dieser schwarze Mercedes 180 stach mir urplötzlich ins Auge. Nicht weil er exotisch wäre, sondern weil er das alltägliche Bild der späten Nachkriegsjahre verkörpert. Der „Ponton-Mercedes“ (gebaut von 1953 bis 1962) war das unermüdliche Taxi dieser Epoche. Der Übergang von den Vorkriegsformen mit freistehenden Kotflügeln hin zu dieser in die Karosserie integrierten Ponton-Form kennzeichnet diese Baureihe. Bei dieser viertürigen Limousine ruht ein Vierzylindermotor im verkürzten Vorderwagen. Ein besonders schönes Ausstattungsdetail: das damals sehr beliebte Faltschiebedach von Webasto.
Das Bildmotiv ist trotz der Enge des Platzes wunderschön gestaffelt. Selbst die Blickrichtungen der Zuschauer zeigen alle auf den Star. In der zeitlosen Schwarzweiß-Darstellung ist er der Held im Bild – ein echter Protagonist.

 

Protagonist 2: Chrysler 300 „Pace Setter“ (1963) – Der amerikanische Traum

Auf einem Premium-Stellplatz, an dem alle Besucher defilieren müssen, stiehlt ein Chrysler 300 „Pace Setter“ Cabriolet aus dem Jahr 1963 vielen anderen Exponaten die Show. Die angebrachten US-Flaggen untermalen das Credo: The American Style of the Show.

Chrysler 300 "Pace Setter" 1963

Das sieht schon nach Luxus aus, war aber ein oberes Mittelklassefahrzeug. Platz, Leder, edle Ausstattung und 300 PS im Motorraum, wog das Auto leer lediglich 1.801 kg.

Entgegen allen klassischen Regeln der Fotografie habe ich mich getraut, dieses opulente Cabriolet mit dem 16 mm Fisheye zu fotografieren. Die typischen Verzeichnungen sind so charakteristisch für die Reportagefotografie der 70er und frühen 80er-Jahre. Man scheint mitten im Auto auf der Rücksitzbank zu sitzen. Das sieht nach purem Luxus aus, obwohl der Wagen damals als obere Mittelklasse eingestuft war. Viel Platz, Leder und fein glänzender Chrom im Interieur trafen auf ein Leergewicht von erstaunlich leichten 1.801 kg.
Ein Chrysler 300 Cabriolet "Pace setter" offen mit einem 16mm Fisheye fotografiert auf Schwarzweiß-Negativfilm.

Boliden unter sich, der Chrysler 300, daneben ein Porsche 911 und dann folgt schon wieder ein US-Amerikaner.

Die Zahl 300 ist als Insignie mehrfach auf dem Auto verteilt. Sie steht für die Baureihe und die Motorleistung von 300 PS aus 6,3 bis 6,8 Litern Hubraum. Im Jahr 1963 war exakt dieses Modell das offizielle Pace Car beim legendären „Indy 500“ in Indianapolis über die Renndistanz von 500 Meilen. Das Rennen gewann 1963 übrigens Parnelli Jones auf einem Watson-Offenhauser mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 230 km/h.

Chrysler 300 Cabriolet beim Oldtimer-Treff im Schloss Affing als schwarzweiß-Foto.

Der Chrysler 300 „Pase Setter“ Cabriolet mit einer „normalen“ Brennweite zeigt seinen Luxus und die opulente Ausstattung mit viel in der Sonne blitzenden Chrom.

Der Verlust der Farbe als gestalterischer Gewinn

An vielen Ecken des weitläufigen Geländes, haben sich die amerikanischen Straßenkreuzer zusammengefunden und bilden stimmige Themenecken neben Porsche 911 oder einem Mercedes SLC – der Coupé-Version unseres R 107.
Oldtimer-Treff am Schloss Affing zeigt mehrere edle Limousinen nebeneinander stehen.

Mit dem Zuiko 180 mm f/2.8 lassen sich die Detais dieser edlen Limousinen isolieren und in einem Bildmotiv betonen.

Mit dem OM Zuiko 180mm f/2.8 lassen sich die Details dieser Fahrzeuge wunderbar isolieren. Der Verlust der Farbinformationen macht diese Stimmungen im besonderen Maße aus: Alles passt scheinbar zu allem. Die leichte Bewölkung an diesem Septembertag tut ihr Übriges dazu. Die harten Kontraste mit tiefen Schatten und blitzenden Spitzlichtern werden zu einem harmonischen Gesamtbild abgemildert. Ein Ort, an dem man sich zwischen den Ikonen der Automobilindustrie sofort wohlfühlt.

Doch ein Oldtimer-Treffen ist keine statische Ausstellung – im nächsten Beitrag bringen wir Bewegung ins Spiel und widmen uns den startenden Motoren und der Dynamik des Platzes.