Abend am Vogelschutzweiher an der Schinderkreppe im Dachauer Moos – Graureiher

Wenn sich der längste Tag im Jahreskreis zu seinem Ende neigt, wird aus dem Frühling der Sommer im astronomischen Kalender. Die Sonne versinkt langsam hinter den Bäumen des Dachauer Mooses. Dann wandelt sich die Schinderkreppe im Dachauer Moos in einen Ort der Ruhe in der Natur. Für NaturfotografInnen und Liebhabende der stillen Momente ist der Vogelschutzweiher in diesen Stunden ein besonderer Anziehungspunkt.

Mein Ziel an diesem Abend: die scheuen Bewohner des Weihers im letzten, goldenen Licht des Tages einzufangen. Der Weiher ist aber weitgehend leer, nur ein paar Enten und ein Graugans-Paar tümpeln langsam vor sich hin, in der Weite dieses Abkühlung versprechenden Gewässers, in der Hitze des Tages. Da kommen zwei weitere Vögel angeflogen, es ist doch noch etwas Betrieb am Vogelschutzweiher. Zwei majestätisch anmutende Graureiher kommen angeflogen und beziehen am gegenüberliegenden Ufer ihre Position.

Das andere Ufer, am Schinderkreppe-Berg, liegt schon im Schatten des Tages. Alle Farben muten schon etwas bläulich an. Hinter dem eleganten Vogel (Graureiher), erkennt man die Äste eines letzten Hochwasserstandes. Nun sind es silberblaue Skelette am Ufergrund.

 

Ein Ort der Zuflucht: Die Schinderkreppe

Die Schinderkreppe und der dazugehörige Vogelschutzweiher sind trotz der vielen vor der Hitze des Tages fliehenden Menschen aus Dachau und Umgebung ein wertvolles Rückzugsgebiet für die Wasservögel im Dachauer Moos. Während tagsüber das Summen von Insekten und das ferne Zwitschern die Kulisse bestimmen, kehrt am Abend eine fast greifbare Stille ein. Das Wasser des Weihers wird spiegelglatt und reflektiert die warmen Farben des Abendhimmels und die tiefen Schatten durch die schon tiefstehende Abendsonne am gegenüberliegenden Uferbereich – die perfekte Bühne für ein besonderes Naturerlebnis.

Ein Graugans-Pärchen dümpelt langsam über das Wasser im späten Licht dieses heißen Sommertages.

 

Der König der Geduld: Der Graureiher im Fokus

Es dauert meist nicht lange, bis man ihn entdeckt. Wie eine leblose Statue steht der Graureiher im seichten Wasser am Uferrand. Ein Graureiher steht immer auf seinem Lieblingsart, Dieser ist ausreichend stabil und ragt immer noch aus dem Wasser empor. Das garantiert eines sicheren Stand und die beste Aussicht über den Weiher.

Die Geduld des Graureihers ist faszinierend: Minutenlang verharrt er völlig regungslos und scheint so mit der Natur verwachsen zu sein. Seinen Blick starr auf die Wasseroberfläche gerichtet, um dann blitzschnell zuzustoßen, wenn ein Fisch leichtsinnigerweise in seinen Fangradius eindringt.

Der Graureiher selbst ist an der Trennlinie zwischen Sonnenlicht und blauem Schatten, So bleibt sein Gefieder relativ dunkel und wird von den Fischen im Wasser auch weniger deutlich erkannt werden.

 

Für uns Fotografen ist diese Geduld Fluch und Segen zugleich: 
Jede unbedachte Bewegung, jedes laute Geräusch lässt den scheuen Vogel sofort auffliegen.

Die fotografische Belohnung: 
Wenn man sich ruhig verhält und abwartet, löst sich die Silhouette des Reihers wunderschön vor dem glühenden Abendhimmel ab.

 

Der Graureiher fliegt ohne erkennbaren Ansatz urplötzlich auf

Einen Graureiher fotografisch zu beobachten, bedeutet sehr viel Geduld und noch mehr Ausdauer. Es gilt immer, in der Auslöseposition zu verharren. Der Graureiher fliegt urplötzlich los, ohne ein erkennbares Signal, ohne ein sich abzeichnendes Signal.

Gerade wenn das List so gut passt, im farbreichen Übergang zwischen dem bläulichen Tiefschatten auf der anderen Uferseite und dem warmen Abendlicht in der Mitte des Weihers – ist das Auffliegen nur ein paar wenige Sekunden. in dieser kurzen Phase sind die schönsten Bildstimmungen zu erwarten, da muss die FotografIn an Ort und Stelle sein.

 

Auf der ruhigen Wasseroberfläche spiegelt sich der dunkle Wald von gegenüber

Auf der ruhigen Wasseroberfläche spiegeln sich der schon dunkle Waldrand am gegenüberliegenden Ufer des Weihers und dunkle, erdige Farben. In der Mitte des Sees ist das Wasser somit fotografisch recht dunkel. Genau in diesem dunklen Fleck, spiegelt sich der nun von der letzten Abendsonne taghell erleuchtete Graureiher in den herrlich warmen Farben des Abends. Der Graureiher und sein Spiegelbild präsentieren sich auf dieser Malpalette der Natur an diesem kürzesten Abend (Nacht) im Jahreskreis.

Im tiefen Überflug kreutzt der Graureiher die Bahn der beiden schwimmenden Graugänse aus einem der vorrigen Bildern.

 

Solche Bildmotive würde man dem Dachauer Moos kaum zugestehen

Dieses Bildmotiv könnte auch in einer fernen Welt, in einem der ganz großen Vogelbiotope entstanden sein, vieles dazu ist glaubhaft und konsistent. Glauben Sie es mir, es ist um Sonnwend herum, im Dachauer Moos, am Vogelschutzweiher an der Schinderkreppe entstanden.

Im Dachauer Moos, wie auch an vielen anderen Orten, ist ein deutlich sichtbarer Schwund an Vögeln und Vogelarten zu verzeichnen. Gerade deshalb, freue ich mich, bei schönstem Fotolicht, einen Vogel in meiner unmittelbaren Heimat zu sehen und für mich festhalten zu können.

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