Der Sommer im Dachauer Moos ist am längsten Tag angekommen

Es gibt sie noch, die etwas abseits gelegenen Orte im Dachauer Moos, auf denen kaum Menschen unterwegs sind und die doch so viele Schönheiten in Flora und Fauna in der Niedermoor-Landschaft präsentieren können. Um die Sonnwende herum, dem längsten Tag im Jahreskreis, bin ich wieder einmal auf einer liebgewonnenen Biotopfläche mit der Kamera unterwegs.

Auf dieser Rekultivierungsfläche stehen im Frühling große Gruppen an violett blühenden und in der Niedermoor-Landschaft typischen Sibirischen Schwertlilien.

 

Violett und die Komplementärfarbe Gelb

Im Farbkreis stehen sich immer zwei ausgeprägte Farben gegenüber. Diese haben dann einen maximalen Farbkontrast, und sind dadurch besonders auffällig für das menschliche Auge. Die Komplementärfarben ergeben zusammengenommen wieder eine neutrale Farbe, wie Grau oder Weiß.

Das weithin sichtbare Violett der Sibirischen Schwertlilie steht im bläulichen Abendlicht auf diesen Fotos. Der Hintergrund ist eine sommerlich grün/gelbe Wiese, die noch vom letzten Sonnenschein in den warmen und gelblichen Farben beleuchtet wird. Im Foto interagieren nun der Vordergrund mit den violetten Blütenblättern der Iris und der Hintergrund in leuchtendem Gelb.

 

Die Sibirische Schwertlilie im Dachauer Moos

Die wunderschön anzuschauende Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) ist eine streng geschützte Rarität und kommt in der Niedermoor-Landschaft des Dachauer Mooses vorwiegend auf nährstoffarmen Streuwiesen und in Pfeifengraswiesen vor.

Noch Mitte Juni öffnen sich die Blütenblätter der Sibirischen Schwertlilie trotz der starken Hitze an diesen Tagen um Sonnwend herum. Auch so ergeben sich immer wieder neue Abwandlungen der doch so bekannten Formengestalt der Sibirischen Schwertlilie.

 

Schutzstatus der Sibirischen Schwertlilie (Iris Sibirica):

Fast alle wild wachsenden Schwertlilien-Arten, die Gattung Iris, 
stehen in Deutschland unter Naturschutz und sind nach der Bundesartenschutzverordnung
besonders geschützt. Das bedeutet, sie dürfen in der Natur weder gepflückt, 
ausgegraben noch beschädigt werden.
Die Blütezeit der Sibirischen Schwertlilie liegt im Frühsommer bis zur Sonnenwende im Juni (April, Mai, Juni). Als typische Pflanze einer Niedermoor-Landschaft stellt diese Iris besondere Bodenansprüche:
  • feucht (typisch im Moos) und
  • nährstoffarm (typisch in Haide, Magerrasen, Rekultivierungsflächen, …)
ist die Art stark gefährdet. Auf nährstoffreichen Böden wird die Sibirische Schwertlilie durch das um ein Vielfaches stärkere Wachstum anderer Pflanzen vom Wasser, den Nährstoffen, dem Sauerstoff und dem Licht verdrängt. Sie kann sich dagegen nicht durchsetzen. Dadurch ist die Gestalt der Blüten auch sehr minimalistisch und nicht in überschwänglicher Pracht ausgestaltet. Gerade dies macht die Iris wie auch die Orchideen zu so wunderbaren Pflanzen in unserer heimischen Flora. Der Nährstoffeintrag über die Luft reichert sich so auch in ehemals nährstoffarmen Böden über die Zeit an und macht diese für solch spezialisierte Pflanzen zu einem ungeeigneten Lebensraum.

 

Vielfalt an Formen und Mustern in der Blüte der Sibirischen Schwertlilie

Die Blüten der Sibirischen Schwertlilie bieten fotografisch solch ein breites Spektrum an Formen und auch Mustern, dass jede Betrachtungsrichtung ein weitgehend anderes Bildmotiv ergeben wird. Dieser Formenreichtum macht wohl auch einen großen Teil der Faszination und die Beliebtheit dieser Zierpflanze im heimischen Garten aus. In der Natur erfreut dies die BetrachterIn noch umso mehr.

 

Die Sibirische Schwertlilie einmal anders durch das Makroobjektiv des Naturfotografen betrachtet

Die Natur bietet uns Naturfotografen auch immer wieder andere, bislang nicht gesehene Ein- und Ausblicke in den Garten der Natur. Augen immer offenhalten und neugierig bleiben auf etwas bislang noch Ungesehenes, macht für mich eine der Faszinationen in der Naturfotografie aus. Es müssen nicht immer die Steinadler über den Alpenkämmen sein, manchmal erfreuen auch vermeintlich kleine Bildmotive das Auge der BetrachterInnen.

Zwei Tage später hatte dann die Sommerhitze unerbittlich zugeschlagen und die Blüten dieser hier noch gesehenen und gezeigten Sibirischen Schwertlilie sind der Trockenheit in den eh schon ausgetrockneten Moosflächen zum Opfer gefallen. Gut, dass ich diese schönen Blüten an dem Abend noch in Bildmotive umsetzen konnte.

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