Das Thermometer am Fenster kündet über Nacht von ordentlich tiefen Temperaturen unter null Grad. Für mache MitbürgerInnen ein weiterer Grund zur Sorge, für mich als Natur- und Landschaftsfotograf eine zarte Hoffnung auf ein jährlich immer wieder kehrendes Schauspiel im Dachauer Moos. Dort wo bewegtes Wasser ist, verzaubert die Kälte manchmal über Nacht die Umgebung in ein kleines Märchenschloss der Eisprinzessin. Das funktioniert nicht immer, in meinem Fall, die Amper, führt viel Wasser flussabwärts und das hat typischerweise +4° C und erwärmt die umgebende Luft.
Am Gündinger Wehr wird das bewegte Wasser an den Einbauten der Wehranlage umgelenkt und darf in die Tiefe stürzen. So ergeben sich genügend Stellen, für solche Eisskulpturen, an denen das Wasser an Eisskulpturen immer weiter wachsen kann. Meist sind es die Wassertropfen, die Gischt des schnell bewegten Wassers, oder schlicht der Nebel in der gesättigten kalten Luft, die sich an den Metalleinbauten oder Steinen langsam aufbauen.

Von den sechs Fluttoren fällt das Wasser der Amper auf einer Breite von 40 Metern als Wasservorhang drei Meter in die Tiefe. In dem Tosbecken findet die Energieumwandlung – eher eine Energievernichtung, an der Wehranlage statt. Das tosende Wasser wird anhand der Störkörper im Tosbecken abgebremst.
Es treffen schnelles Wasser mit stehendem Wasser zusammen
Schnelles Wasser, das weit spritzen wird und auf den deutlich kälteren Eisenkonstruktionen auftreffen und unmittelbar zu schrittweise zu Rau-Eis wachsen lässt. Dieser Gegensatz lässt sich fotografisch auch im Bildmotiv Bild-wirksam anwenden.

Mit der richtigen Auswahl der Belichtungszeit darf im Bild das schnelle Wasser als Bewegung verwischt abgebildet sein. Das unbewegte Wasser oder Eis ist dagegen Bewegung-scharf eingefangen. Ein wunderschöner Kontrast im Bild mit den Elementen Wasser und Eis.
Temperaturen im Dachauer Moos von -15° C – da kann es wieder Eisskulpturen am bewegten und unbewegten Wasser geben
Im Uferbereich darf wiederum alles langsamer vor sich gehen. An den Ästen und Zweigen legt sich das Eis als Glatteis als herrlich transparenter Überzug. Aus einem dünnen Ästchen wird zu einem Daum-dicken Gegenstand in Wassernähe.

Und im Hintergrund fließt das Wasser dem Amper vorbei und darf im Bild als bewegtes Wasser sichtbar werden.

Mehrere Zentimeter dickes Eis umformt die Zweige am Ufer. Das diffuse Licht des Wintertags zeigt sich in sanften Helligkeitsübergänge in dem eisernen Gefängnis der Natur.

Aber, man muss schnell sein. Nach wenigen Stunden ist dieses Natur-Schauspiel oft wieder vorbei. Wenn die Sonnenstrahlen sich einen Weg durch den diffusen Himmel bahnen, dann geht es schnell und die zauberhaft, transparente Landschaft schwindet dahin, so wie sie entstanden ist. Tropfen für Tropfen!