Der Frühling kommt im Dachauer Moos mit ganz typischen Frühlingsanzeigern. Die aufmerksame BeobachterIn oder FotografIn kennt viele dieser über viele Jahre hinweg erlebte Erfahrung im Jahreskreis:
- Das Singen der Singvögel in Wald und Flur.
- Der typische Gesang der Feldlerchen in den Feldern und Ackerflächen.
- Die Farbakzente der Frühblüher im Schatten der noch kahlen Bäume im Wald und am Waldrand.
- Die Weidenkätzchen vor Ostern.
- …
- u. v. m.
… und das energiegeladene Fliegen der Wasseramsel mit ihrer ersten Brut am fließenden Wasser. Im Dachauer Moos ist an der Amper der schönste Platz dazu an der Wehranlage in Günding.
Dahin entführe ich Sie heute in diesem Blog-Beitrag.

In den letzten Wochen zeigte sich der Wasserstand der Amper von der Schneeschmelze im Frühjahr und den starken Regenfällen im Voralpengebiet geprägt. Zwei Fluttore an der Wehranlage waren geöffnet und entsprechend intensiv war das schießende Wasser im Tosbecken. Die Steine als Störobjekte waren vom Waser verdeckt, so konnten die Wasseramseln diese nicht als Ansitze und Ruheräume nutzen. So gab es jetzt wieder viel nachzuholen und den Nachwuchs im Nest, auf den kürzesten Flugstrecken, mit den gewünschten Larven und Kleintieren zu versorgen.
Die Wasseramsel am Gündinger Wehr: Tanz im Spritzwasser der Amper
Das Dachauer Moos ist hinsichtlich der Naturfotografie im Winter und im Frühling ein eher ruhiger Ort.
Es gibt Momente in der Naturfotografie, da vergisst man die Kälte der nassen Steine und das ohrenbetäubende Rauschen des dahinschießenden Wassers in den Ohren. Einer dieser Momente ist die Begegnung mit der Wasseramsel (Cinclus cinclus). An der Amper, genauer gesagt am Gündinger Wehr, findet dieser faszinierende kleine Singvogel genau das, was er braucht: schnell fließendes, sauerstoffreiches Wasser und Steine, die als Ansitz und Ruhezone aus der wilden Gischt ragen.

Das Habitat: Wo die Amper Fahrt aufnimmt
Das Gündinger Wehr an der Amper bei Günding im Dachauer Moos ist ein technisches Bauwerk aus dem Jahr 1897 für den Betrieb des zweiten Wasserkraftwerkes, welches vom Technikpionier Oskar von Miller erbaut wurde. Das Wehr nutzt das starke Gefälle an diesem Teil der Amper und führt einen Teil des Amperwassers im Kraftwerkskanal geradlinig dem Kraftwerk in Gündig zur Erzeugung von elektrischer Energie, zu. So fällt an der Wehranlage das verbleibende Amperwasser in die Tiefe und sorgt so für das sauerstoffreiche Wasser, welches die Wasseramseln so sehr brauchen.

Auch die Köcherfliegenlarven brauchen das sauerstoffreiche Wasser und sind daher hier als Hauptnahrungsquelle für die Wasseramseln, besonders stark vertreten. Die Wehranlage ist so ein Brennpunkt für die Tierwelt. Während die Amper an anderen Stellen gemächlich dahinfließt, bricht sich hier das Wasser mit einer Energie, die die Wasseramsel magisch anzieht. Sie ist der einzige Singvogel, der schwimmen und sogar tauchen kann – ein echter Spezialist im »Wildwasser-Surfen«.
Die Herausforderung: Licht, Schatten und Dynamik
Wer als FotografIn die Wasseramsel am Amperwehr fotografieren will, steht vor spannenden fotografischen Aufgaben:
- Kleiner Singvogel, recht weit weg.
Das Wasser und die Wehranlage schützen den kleinen Vogel vor den Einflüssen des Menschen und der Hunde. Er kann sich ungestört auf seine Nahrungssuche konzentrieren. Die FotografIn braucht für ein spannendes Bild eine entsprechend lange Brennweite, um den kleinen Vogen groß genug abbilden zu können.
Brennweite länger als 500 mm (im Kleinbildäquivalent). - Belichtungszeit – alles ist in Bewegung.
Das Bildmotiv ist voller Bewegung und Dynamik und der Vogel ist auch schnell auf seinen Beinen unterwegs. Um den Vogel sicher scharf abbilden zu können, ist eine kurze Verschlusszeit erforderlich. Das bedeutet, viel Licht ist erforderlich. Das ist aber die Kompetenz einer FotografIn damit umgehen zu können.
Verschlusszeit kürzer als etwa 1/2000 s. - Der Kontrast im Bildfeld.
Das charakteristische weiße Lätzchen der Wasseramsel auf ihrem dunkelbraunen Gefieder und vor den dunklen, nassen Steinen ist ein Härtetest für jeden Kamerasensor. Hier ist Fingerspitzengefühl bei der Belichtungskorrektur gefragt, damit die Lichter nicht ausfressen. - Perspektive – am besten aus seiner Augenhöhe.
Die vermeintlich besten Bilder entstehen auf Augenhöhe zwischen dem Tier und der Kamera. Da bin ich zwar einer viel differenzierteren anderen Meinung und Erfahrung, aber so sagen es die richtigen Profifotografen (?).

Die Wasseramsel am Gündinger Wehr zu beobachten und zu fotografieren, ist Erdung pur. Trotz der Nähe zur Zivilisation zeigt uns dieser kleine Vogel, wie perfekt man sich an extreme Lebensräume anpassen kann. Ein Besuch lohnt sich – nicht nur mit der Kamera im Anschlag, sondern auch einfach zum Beobachten und Genießen.
Ein fotografisches Experiment an der Wehranlage im Frühling
Wenn alle Profis schon so genau wissen, wie man es absolut richtig macht, dann war es für mich schon immer ein besonderer Reiz, es eben doch ganz anders zu machen. Dabei habe ich eine ganz andere Bildkomposition und -wirkung im Kopf und in vielen Fällen geht diese Idee auch auf.

In diesem Bildmotiv sind das einzige, was im Bildfeld stillsteht, der Felden und die kleine Wasseramsel. Darumherum rauscht und tost das kalte Frühlingswasser der Amper aus den Alpen wie wild um die Wasseramsel herum.
Daher nehme ich die folgenden Zutaten zu diesen Bildern:
- Ein stabiles, ein sehr stabiles Stativ, um Verwackelungen des Bildfeldes an sich zu eliminieren.
- Eine Brennweite von 800 mm, um das Bildfeld nahezu ohne weiteren Beschnitt auswählen zu können.
- Eine Verschlusszeit von 1/20 Sekunde (sic!), das ist 100-mal so lange belichtet als noch oben als Zielwert angegeben.
- Die Empfindlichkeit (ISO) und die Blende ergeben sich nach den Lichtverhältnissen.
Jetzt ist im Bildfeld nicht mehr das Wasser eingefroren, sondern es folgt seinen natürlichen und äußerst bildwirksamen Bewegungen im Tosbecken. Mitten zwischen dieser Wasserdynamik steht auf einem kleinen Felsen der kleine und zierliche Vogel und hat seine unter Wasser gefangenen Larven im Schnabel.